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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

Windrädchen, Regen, verschlossene Türen

von Lena Renner vom 22.09.2017
Die Aktiven von FDP und Grünen haben es hier besonders schwer: Beobachtungen aus dem Straßenwahlkampf in Passau

Ein verregneter Samstagmorgen in Passau. Noch drei Wochen bis zur Bundestagswahl. Fast alle großen Parteien haben sich an verschiedenen Orten in der Fußgängerzone platziert – nur die SPD fehlt. Auch im Internetzeitalter setzen die Parteien im Wahlkampf noch auf Infostände und Haustürbesuche. Aber bringt das etwas? Und was sind das für Menschen, die hier ehrenamtlich im Regen stehen?

Die Grünen bauen ihren Stand auf. Zu fünft werkeln sie an dem Holzkonstrukt. »Eine Gebrauchsanleitung ist leider nicht dabei«, scherzt Silvia Kelz, die hier zum Team gehört. Während ihre Kollegen sich damit abmühen, die Pfeiler in die vorgehesehene Halterung zu bugsieren, wühlt sie in ihren Taschen und hält schließlich triumphierend zwei Nägel für die Befestigung in die Höhe.

Das Team ist noch mit der Konstruktion beschäftigt, als der erste Interessent angeradelt kommt – ein älterer, bärtiger Mann mit Lastenfahrrad samt »Atomkraft?-Nein-danke«-Sticker. »Ach, taucht ihr auch noch auf?!«, ruft er gutgelaunt und kommentiert dann mit Kennermiene den Aufbau. Silvia Kelz kennt den stadtbekannten Altlinken. Der wisse immer alles besser.

Die gebürtige Fränkin ist vor zehn Jahren nach Passau gezogen, um dort BWL zu studieren, und arbeitet inzwischen als freiberufliche Dozentin für Versicherungen und Baufinanzierung. Wie eine typische BWLerin sieht sie nicht aus – mit rot gefärbten Haaren, einem Outdoor-Anorak in knalligem Orange und einem kleinen Wanderrucksack, den sie die ganze Zeit aufbehält. An diesem Samstag hat sie Geburtstag, den 32. Feiern wird sie jedoch erst am Abend, auch mit Parteifreunden.

Der Stand steht, ist bestückt mit Flyern, einem kurzen Wahlkampfprogramm sowie grünen und gelben Luftballons mit Parteilogo. Erwartungsvoll sieht Silvia Kelz die regennasse Fußgängerzone entlang. Die meisten Passanten haben Schirme aufgespannt und werfen nur flüchtige Blicke auf den überdachten Stand der Grünen. Kelz’ Kollege wagt sich mit ein paar Flyern in das Getümmel. Aus dem Café gegenüber beobachten einsame Kaffeetrinker das Geschehen. Ein Rentner schimpft im Vorbeigehen: »Vier Wochen vor der Wahl – da siehst du sie alle. Danach siehst du sie vier Jahre lang gar nicht mehr!« Ein kleiner Junge, der mit seinen Eltern vorbeikommt, möchte eines der grünen Windrädchen. Der stadtbekannte Altlinke verabschiedet sich jetzt – »Viel Erfolg noch!« – und radelt ins Regengrau da

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