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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2020
Berühre mich!Aber fass mich nicht an
Leben, lachen, glauben in Corona-Zeiten
Der Inhalt:

Musik wird die Welt nicht retten

von Thomas Winkler vom 24.04.2020
Wie politisch ist die Popmusik? Kritiker klagen: Die Gegenwart rockt nicht. Doch auch in der Vergangenheit war Musik immer nur Soundtrack für den Protest, aber nie seine treibende Kraft
Engagiert gegen Rechts: Die Rostocker Punkband Feine Sahne Fischfilet (Foto: pa/Foto: BeckerBredel)
Engagiert gegen Rechts: Die Rostocker Punkband Feine Sahne Fischfilet (Foto: pa/Foto: BeckerBredel)

Ist schon richtig: Früher war alles besser. Schon deshalb, weil man selbst jünger war. Früher, so geht das große Lamento, da war die populäre Musik rebellisch, widerständig, politisch relevant. Heute dagegen gibt es nur noch unterbelichteten Gangsta-Rap, belangloses Hochleistungs-Entertainment oder überflüssige Bauchnabel-Barden. Doch da liegt ein Missverständnis vor. Denn erstens war früher selbst die politische Musik gar nicht so ausdrücklich politisch, wie es im Rückblick erscheinen mag. Und zweitens gibt es heute mehr politische Popmusik, als ein oberflächlicher Blick glauben macht.

Dass früher auch nicht alle Revoluzzer waren, selbst wenn sie sich so gaben, hat mal einer erklärt, der es wissen muss: The Clash galten als die politischste Band der bekanntermaßen ziemlich politischen Punk-Revolte. Sie wollten einen Aufstand anzetteln (»White Riot«), sich mit Waffengewalt wehren (»Guns of Brixton«), sie klagten Armut und Rassismus an und sangen für die Revolution. Aber später, als er in Ehren erwachsen geworden war, gab ihr Sänger Joe Strummer zu: »Wir waren doch Poser, und wir waren vor allem Musiker.«

Die Kraft der Popmusik lag im Hüftschwung

Tatsächlich entwickelte die populäre Musik schon in ihren glorreichsten Tagen, den 1950er- und 1960er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, ihre revolutionäre Kraft nicht daraus, dass jemand ein paar Slogans vertonte oder gar politische Abhandlungen in Musik verpackte. So schmissig das oft gecoverte »People Get Ready« von den Impressions auch daherkam – niemand ging wegen des Textes auf die Straße, niemand wurde überzeugt von den Argument

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