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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

Sag mir, wo der Kampfgeist ist

von Konrad Lehmann vom 13.03.2020
Die Gegenwart rockt nicht: Die aktuelle Popmusik hat resigniert und ist unpolitischer denn je. Eine Brandrede

Musik wandelt sich, und das ist gut so. Wie jede Kunst muss sie ihre Zeit spiegeln. Einen Künstler, der jahrzehntelang dasselbe produziert, würden wir nicht kreativ finden, sondern gestrig. Doch im Wandel der Popmusik in den letzten Jahrzehnten gibt es zwei unschöne Tendenzen: Sie wird schlechter. Und sie wird gefühlloser.

Nein, das sind keine Geschmacksurteile. Den Qualitätsverlust kann man messen: Die Harmonik wird schlichter, die Spanne an Klangfarben und Dynamik wird enger, und die Texte wiederholen sich immer stärker. Instrumentalisten werden durch Computer ersetzt, Gesangstalent durch automatische Tonhöhenkorrektur, die sogenannten Autotunes. Noch schlimmer aber wiegt der Gefühlsverlust. Musik ist die Sprache der Gefühle, und Gefühle sind der Antrieb unseres Handelns. Indem die Gefühle die Gegebenheiten der Umwelt reflektieren, bringen sie die Gegenwart in Bezug zu den handelnden Menschen. Aus Welt wird Umwelt, aus Physik Moral. Gefühle motivieren uns, Ziele zu verfolgen und Missstände zu bekämpfen. Gefühle halten uns am Leben.

Studien aber stellen fest, dass Poplieder immer elektronischer, »entspannter« und »tanzbarer« werden. Dass erhöhtes Tempo mit mehr Moll einhergeht, nennen ihre Verteidiger »ambivalent« – man könnte es aber auch oberflächlich und unentschieden nennen. Eine zupackende Melancholie, eine zielstrebige Resignation. Denn Muße kann sich niemand erlauben.

Mitreißende Gefühle aber sind weitgehend verschwunden, gemeinsam mit dem Genre, das dafür prädestiniert ist: dem Rock. Er macht einen immer geringeren Teil der gespielten Songs aus. Rock war die Musik der Leidenschaft. Rock bedeutet Auflehnung. Rock ist rotzig, wütend, laut, energetisch, unnachgiebig. Es gibt keinen braven Rock. Egal, ob man Rock mag – man muss anerkennen, dass er voller Energie steckt, dass er sperrig ist, sich nicht einpassen will. Rock ist musikgewordenes Nein!

Doch die Gegenwart rockt nicht. Dabei gäbe es genügend Grund, unserer Gesellschaft ein wütendes »Nein!« entgegenzuschreien. Während die Regierenden des Westens Kriege führen und vorbereiten, während sie Recht brechen und Empörung heucheln, während sie Gewalt säen und Hass ernten, während sie die Reichen reicher und die Armen ärmer werden lassen, die Umwelt und all unsere Lebensgrundlagen zerstören, verkaufen sie und ihre Handlanger in den Medien uns für dumm und speisen uns mit Brot und Spie

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