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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

»Ich bin nicht mehr dieselbe«

von Bettina Röder vom 23.03.2012
Monatelang hat Christine Bergmann Hunderte Opfer sexueller Gewalt angehört. Was sie am Runden Tisch gegen Kindesmissbrauch in Deutschland erlebte, kann sie nicht vergessen. Ein Leib- und Seele-Gespräch
Die Politikerin Christine Bergmann über ihr christliches Selbstverständnis: »Wartet nicht, was andere Euch sagen!« (Foto: pa/Breuel-Bild/Reetz)
Die Politikerin Christine Bergmann über ihr christliches Selbstverständnis: »Wartet nicht, was andere Euch sagen!« (Foto: pa/Breuel-Bild/Reetz)

Oh, Frau Bergmann, in Ihrem Arbeitszimmer stehen ja lauter kleine Engel!

Christine Bergmann: Ja, der zum Beispiel (sie nimmt einen holzgeschnitzten Engel mit weißer Schürze vom Schrank), den habe ich von Nils bekommen. Er ist behindert, wurde jahrelang missbraucht. Er hat ihn mir geschenkt. ›Frau Bergmann braucht einen besonders großen Schutzengel‹, hat er gesagt.

Dieser Junge war ja einer von überraschend vielen, die sich an Sie gewandt haben, als die Bundesregierung Sie 2010 zur Missbrauchsbeauftragen, also zur Chefin einer Gruppe machte, die die massenhaften Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Heimen, Kirchen und anderen Institutionen aufzuarbeiten begann.

Bergmann: Es waren über 20000 Menschen, die sich an uns gewandt haben. Ich selbst habe über 3000 Mails und Briefe gelesen, ein paar Hundert Gespräche geführt.

Was hat das mit Ihrer Seele gemacht? Sind Sie noch dieselbe wie früher?

Bergmann: Nein, nach diesen eineinhalb Jahren ist man nicht mehr dieselbe. Weil man in solche Abgründe geblickt hat. Es sind ja fast immer Kinder gewesen, um die es ging. Es war erschütternd, den heute Erwachsenen - es waren auch viele weinende Männer - gegenüberzusitzen. Ich habe sehr gespürt, was das für eine Befreiung ist, dass sie nun darüber reden konnten, was ihnen widerfahren war.

Hat sich Ihr Bild von der katholischen Kirche durch die Häufigkeit der Missbrauchsfälle dort verändert?

Bergmann: Zwei Drittel der Fälle, um die es bei uns ging, waren Missbrauchsfälle in den F

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