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Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
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Es rumpelt, ruckelt und kracht

von Thomas Seiterich vom 27.09.2013
Mit der »Tram of Silence« durch Frankfurt: Ruhig werden, meditieren und der Stadt neu begegnen – mitten im Getöse des abendlichen Verkehrs
Alles still - und dann hört man wirklich jedes Geräusch: Mit der Tram of Silence unterwegs in Frankfurt am Main. (Foto: Rohnke)
Alles still - und dann hört man wirklich jedes Geräusch: Mit der Tram of Silence unterwegs in Frankfurt am Main. (Foto: Rohnke)

Ein V steht über dem Fahrerstand dieser ungewöhnlichen Straßenbahn. V bezeichnet eine Linie, die es normalerweise gar nicht gibt. Zur Erklärung steht da noch: »Sonderwagen«. Und an der Frontscheibe klebt ein Zettel Heilig Kreuz Meditationszentrum.

Vierzig Sitzplätze hat die alte, in Beige und Orange gestrichene Straßenbahn. Ebenso viele Menschen warten draußen, im feucht-kühlen Septemberabend auf dem Platz vor dem Zoo in Frankfurt am Main darauf, mit dieser Bahn loszufahren. Heute Abend soll aus dem betagten Ungetüm etwas Poetisches werden: die »Tram of Silence«.

Die Theologin Andrea Maschke führt uns Mitreisende ein: »Die meisten von uns fahren oft Bahn, man will möglichst schnell an sein Ziel kommen. Man bekommt unabsichtlich Gespräche anderer mit, Liebesbeteuerungen oder Streit. Viele checken ihre E-Mails. Der große Lärm finden draußen statt, aber auch im Kopf.«

Unweigerlich steigen meine vielen Bahnfahrten in mir auf. Über 600 Kilometer fahre ich seit vielen Jahren jedes Wochenende mit dem Zug: Freitagabends in überfüllten IC-Waggons nach Ulm, und montagmorgens in aller Herrgottsfrühe in abgenutzten IC-Waggons wieder nach Frankfurt. Das sind keine Stunden zum Verweilen, für die besinnliche Muße. Es ist eine Zeit in schlechter Luft unter Fremden, die laut telefonieren, vom Arbeiten erschöpft oder unausgeschlafen sind. Wer möchte schon länger in solchen Zügen sein? Jeder will weg – einzig dies verbindet all die mitteilungsfreudigen oder dösenden Zeitgenossen im Intercity der Bundesbahn.

»Es geht darum, einfach da zu sein«

Vor dem Einsteigen in die Tram of Silence heißt es, sämtliche Handys a

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