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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Luther, Freude, Eierkuchen

von Fabian Vogt vom 27.09.2013
Die Evangelischen wünschen sich, dass die Katholiken
den Reformator 2017 mitfeiern. Doch das ist ziemlich daneben

Das Jahr 2017 soll groß gefeiert werden. Ganz groß! 500 Jahre Thesenanschlag Martin Luthers in Wittenberg. 500 Jahre Reformation. 500 Jahre Kirchenspaltung im Westen. Ein Riesenspektakel. Ein unglaubliches Event. Finden zumindest die Protestanten.

Ökumene-Kardinal Kurt Koch dagegen erklärte vor einiger Zeit, die Reformation sei kein Anlass für ein Fest. Man könne doch nicht die »verlorene Einheit der Kirche« feiern. Oder noch ein wenig harscher formuliert: Die katholische Kirche dürfe keine »Sünde« bejubeln. Recht hat er. Entweder sagen die Katholiken: »Ja, Luther wollte das Richtige« – dann haben sie allen Grund, das Jubiläum im Jahr 2017 feierlich zu begehen – oder sie sehen ihn (indirekt) als »Sünder« und feiern nicht mit. Alles andere wäre irgendwie eine Perversion. Wie sollen Katholiken einen Reformator ehren, der ihnen letztlich das Kirchesein abgesprochen hat? So wie es der Vatikan ja umgekehrt bis heute mit den protestantischen Kirchen tut.

Und genau dieses Zerwürfnis finden gewichtige Stimmen in der evangelischen Kirche ganz unschön. Irgendwie lästig. Sie hätten es so gerne, dass das Reformationsjubiläum ein ökumenisches »Friede-Freude-Eierkuchen«-Erlebnis wird, bei dem alle gemeinsam so tun, als gäbe es keine Differenzen. Die »katholischen Geschwister« möchten doch bitte so herzig sein und den Mann preisen, der damals ihr gesamtes System unchristlich fand.

Also ich habe bis heute keinen eingefleischten Katholiken getroffen, der dazu Lust hätte. Mag Nikolaus Schneider, der EKD-Ratsvorsitzende, auch noch so oft mit weit ausgebreiteten Armen dastehen und rufen: »Kommt, es ist alles bereit. Seht und schmeckt, wie freundlich der Herr Luther ist.« Mit der Mahlgemeinschaft klappt das einfach nicht.

Immerhin: Kürzlich hat der Lutherische Weltbund zusammen mit dem Päpstlichen Einheitsrat das Papier »Vom Konflikt zur Gemeinschaft« herausgegeben. Eine anregende Publikation, die aber – wie beide Seiten gleich eifrig betonten – kein lehramtliches Dokument darstelle. Abgesehen davon, dass in dem Dokument endlich mal ökumenisch über die Reformationsgeschichte nachgedacht wird, liefert es auch einige schöne »Imperative«. Der Erste lautet: »Katholiken und Lutheraner sollen immer von der Perspektive der Einheit und nicht von der Perspektive der Spaltung ausgehen, um das zu stärken, was sie g

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