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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Der Trost der Dornenkrone

von Georg Evers vom 27.09.2013
Japan: Die Christen unter der Minderheit der »Geächteten« haben eine eigene Befreiungstheologie entwickelt

In den letzten Jahrzehnten hat Japan sich als wirtschaftliche Großmacht in Asien etabliert. Das Land bemüht sich, nach außen ein Bild abzugeben, das sich von den anderen asiatischen Ländern, in denen ethnische, religiöse und soziale Spannungen herrschen, dadurch abhebt, dass es eine wirtschaftlich starke, ethnisch geeinte, demokratisch regierte und wohlhabende Gesellschaft darstellt.

Hinter der glitzernden Fassade des wirtschaftlichen Erfolgs verbergen sich aber auch in Japan Brüche. Denn die Erfolgsgeschichte der nach außen so geschlossen als »Japan Incorporated« auftretenden Wirtschaftsmacht weist neben Gewinnern auch viele Verlierer und Opfer der wirtschaftlichen Expansion auf. Da sind auf der einen Seite die Millionen von Gastarbeiter aus vielen asiatischen und lateinamerikanischen Ländern sowie die Nachkommen der koreanischen Zwangsarbeiter aus der Zeit der kolonialen Expansion Japans.

Im Ausland weniger bekannt ist die Minderheit der Burakumin, wörtlich: die »Angehörigen der abgesonderten Dörfer«. Das sind Menschen, die in Japan wegen der von ihnen ausgeübten geächteten Berufe des Scharfrichters, des Metzgers, des Gerbers in der Lederverarbeitung, des Schaustellers, der Prostituierten oder des Bettlers seit Jahrhunderten eine auf vielfältige Weise diskriminierte Gruppe darstellen. Auch wenn sie heute nicht mehr strikt in gesonderten Dörfern oder Stadtteilen leben, sind die rund drei Millionen Burakumindoch eine nicht zum japanischen Volk gehörende benachteiligte Randgruppe in der Gesellschaft – obwohl sie ethnisch Japaner sind.

Der Kampf um Anerkennung dieser Bevölkerungsgruppe, die in Japan auch Eta, »Unreine«, genannt werden und die sich selbst oft als »hinin« (»Nicht-Menschen«) bezeichnen, ist gut 400 Jahre alt. Ihre Diskriminierung wurde 1871 auf dem Papier zwar beendet, und den Burakumin wurde erlaubt, ihre gesonderten Wohnbereiche zu verlassen. Die in Japan so wichtigen und strikt geführten Familienregister, die bei Heirat, bei Bewerbungen und vielen anderen Angelegenheiten zu Rate gezogen werden, sorgen aber auch heute noch dafür, dass die Burakumin das ihnen anhängende Stigma, keine »echten Japaner« zu sein, nicht loswerden können.

Seit 1922 sind die Burakumin in einer nationalen Organisation mit Namen Zenkoku Suiheisha (wörtlich: »Nationale Gesellschaft für Gleichberechtigung«) organisiert, um gegen ihre Diskriminieru

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