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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Deutschland – ein Paradies?

von Antje Schrupp vom 21.04.2016
Wer die aktuellen Handreichungen für Flüchtlinge liest, erfährt viel Interessantes über Deutschland – vor allem darüber, wie die Einheimischen sich selbst gerne sehen. Interessant ist auch, was verschwiegen wird
Flüchtlinge erfahren in Sprachkursen auch einiges über Deutschland, einige Broschüren stellen das Land allerdings in ein sehr rosiges Sicht (Foto: pa/Eckel)
Flüchtlinge erfahren in Sprachkursen auch einiges über Deutschland, einige Broschüren stellen das Land allerdings in ein sehr rosiges Sicht (Foto: pa/Eckel)

Das nächste Mal, wenn ich in der Bahn sitze und mich nicht aufs Lesen konzentrieren kann, weil feuchtfröhliche Reisegruppen sich in Urlaubsstimmung kalauern oder der Sitznachbar mit drängender Ausführlichkeit in sein Handy spricht, werde ich in meinem Labtop die In ternetseite refugeeguide.de aufrufen und sie den Mitreisenden unter die Nase halten. Da steht nämlich: »In der Öffentlichkeit soll man keine lauten Gespräche führen!«

In dieser Handreichung für Flüchtlinge steht noch so manches andere, das ich aus eigener Anschauung nicht bestätigen kann: zum Beispiel, dass man in Deutschland fast überall eine öffentliche Toilette findet. Dass hier Liebesbekundungen homosexueller Paare auf offener Straße völlig normal sind und nicht weiter beachtet werden. Oder, mein Favorit: »Streitgespräche und Diskussionen haben in Deutschland meist das Ziel, zu einem Kompromiss zu führen.«

Pünktlichkeit, Sauberkeit, Frauenemanzipation

Wer sich durch die zahlreichen Informationsangebote für Geflüchtete liest, die derzeit aufgelegt werden, muss zu dem Schluss kommen, dass Deutschland ein Paradies ist. Ganz oben auf der Liste, wie erwartet: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Frauenemanzipation. Wir lassen niemanden warten, wir trennen unseren Müll und respektieren unsere Frauen! Wir sind so unfassbar tolerant, wir hatten sogar schon mal einen schwulen Außenminister! Das können Geflüchtete in sechzehn unterschiedlichen Sprachen im Refugeeguide lesen.

Mindestens so stolz ist die Konrad-Adenauer-Stiftung. In ihrer Handreichung »Deutschland. Erste Informationen für Flüchtlinge« erfährt der Neuankömmling gleich auf den erste

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