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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Der Neandertaler in uns

»Der Neandertaler lebt!« Jochen kam wieder mal zu spät zu unserem Männerkreis und winkte aufgeregt mit einer Zeitung. »Nee«, raunzte Thomas, »der ist vor 30 000 Jahren ausgestorben.«

»Eben nicht«, rief Jochen beglückt: »Er lebt! Und zwar in uns!« Er schlug die Zeitung auf und deutete auf die Nachricht: »Hier steht’s: Zwei Prozent unserer DNA stammen vom Neandertaler.« Wir, die versammelten Männer, schwiegen. Leise murmelte Andreas: »Ja, Jochen, wenn ich dich so anschaue, könnten es auch deutlich mehr sein. Achtzig vielleicht.«

Jochen ließ sich nicht beirren und hielt erneut seine Zeitung hoch. »Mal ernsthaft: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es offensichtlich Liebesbeziehungen zwischen dem Homo sapiens und den Neandertalern gegeben hat.«

»Kraul mich auf dem Mammutfell?« Thomas konnte sich das Lachen kaum verkneifen. »Ich vermute, es war eher so: Der Neandertaler stürmte auf ein Homo-sapiens-Weibchen zu und grunzte: ›Brust – oder Keule?‹«

Jochen schüttelte den Kopf. »Wie dem auch sei: In uns ist Neandertaler-DNA. Und man weiß jetzt auch, dass dieses Erbgut maßgeblich das Risiko für einige Krankheiten erhöht: zum Beispiel für Diabetes, Nikotinsucht oder Depression.«

»Ach«, bemerkte ich, »vermutlich sind sie deshalb auch ausgestorben. Depressiv-diabetische Kettenraucher haben ja ohne Insulin wohl keine lange Lebenserwartung.«

Allmählich wurde Jochen sauer: »Könnt ihr bitte einmal bei der Sache bleiben? Die Neandertaler-DNA hat nämlich wesentlich dazu beigetragen, dass der aus Afrika kommende Homo sapiens überhaupt im kalten Norden überleben konnte. Außerdem …«

Er musste plötzlich grinsen: »Angeblich wollen Frauen ja, dass wir Männer wieder den strammen Naturburschen in uns entdecken. Ihr kennt doch bestimmt das schöne Chanson: ›Ein Neandertaler, ein Neandertaler, gegen den wär’n mir die andern Männer schnurz. Die sind niedlich, die sind schwächlich, so ’nen strammen Tarzan möcht’ ich.‹« Und folgerte: »Wir müssen den bereits in uns angelegten Tarzan nur wiederentdecken. Und dann rauslassen.«

Thomas nickte: »Super Idee. Ich glaube auch nicht, dass ein Neandertaler jemals die Geschirrspülmaschine ausräumen musste! Das heißt: Meine Unlust an der Hausarbeit ist genetisch. Ich kann da gar nichts für. Was

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