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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2019
Auf der Kippe
Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?
Der Inhalt:
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Aufräumen im Trollhaus

von Andrea Teupke vom 07.06.2019
Was hilft gegen den Hass im Netz? Auf der Digitalkonferenz »re:publica« in Berlin gab es gute Vorschläge: Zivilcourage, kluge Moderation oder der Rückgriff aufs Kartellrecht
Abgründig: Im Internet verlieren viele Menschen ihre Hemmungen. (Illustration: istockphoto/dan177)
Abgründig: Im Internet verlieren viele Menschen ihre Hemmungen. (Illustration: istockphoto/dan177)

Man hat sich den Netzbewohner als glücklichen Menschen vorzustellen; diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer die »re:publica« besucht. Das jährliche Treffen in Berlin ist so etwas wie der Kirchentag der Internetaktivisten. Im Mai pilgerten etwa 20 000 Menschen zum dreizehnten Termin der Digitalkonferenz, die meisten deutlich jünger als durchschnittliche Kirchentagsbesucher, männlicher und häufiger schwarz gekleidet. Die Atmosphäre ist ruhig und freundlich, man diskutiert gesittet, steht viel in Schlangen, und wen die Auswahl der rund tausend Veranstaltungen überfordert, der kann sich in Liegestühlen, Hängematten oder auf Knautschsäcken ausruhen. Anders als bei Kirchentagen wird allerdings nicht gesungen, nie. Dafür kommen inzwischen fast ebenso viele Politiker vorbei: Viele Minister waren da, fast die gesamte SPD-Spitze, der Bundespräsident und am letzten Tag sogar eine EU-Kommissarin. Keine Frage: Die Netzgemeinde ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Und sie feiert sich selbst. Das Internet zeigt hier seine helle Seite. Hier wird nicht gehasst und gehetzt; hier gibt es keine »Trolle«, die andere absichtlich beleidigen. Die heftigste Reaktion, die ein Sprecher erntet, ist eine Art lautes Raunen im Saal, als er eine feministische Rednerin provozieren will. Kluge Menschen nehmen sich Zeit zum Zuhören und Nachdenken: So schön kann die Welt sein. Doch auch wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Eröffnungsrede verspricht: »Kulturpessimismus müssen Sie von mir heute nicht erwarten« – allen Anwesenden ist bewusst, dass die digitale Debattenkultur oft düster aussieht. Man muss nicht lange suchen, um im Netz Verschwörungstheorien und offener Sympathie für Rechtsextremismus zu begegnen. Auf

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