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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Allein durch das Wort

von Fabian Vogt vom 19.09.2015
Aus Publik-Forum 17/2015: Martin Luther hat mal den Satz gesagt: »Allein durch das Wort!« Nun, vielleicht ist es genau deshalb in manchen evangelischen Gottesdiensten so leer? Ilse Schlupp raunt zwar Sonntag für Sonntag am Ausgang der Kirche mit bebender Stimme: »Schön haben Sie gesprochen, Herr Pfarrer!« Aber ich frage mich ja: Was um Gottes Willen hat Ihnen denn gefallen, Frau Schlupp??? ... Die Kolumne von Fabian Vogt
»Schön haben Sie gesprochen, Herr Pfarrer!« Echt? Kabarettist Fabian Vogt (NICHT im Bild) über Wortdurchfall auf der Kanzel. (Foto: pa/Deloche, mod.)
»Schön haben Sie gesprochen, Herr Pfarrer!« Echt? Kabarettist Fabian Vogt (NICHT im Bild) über Wortdurchfall auf der Kanzel. (Foto: pa/Deloche, mod.)

Wir Protestanten feiern sogar unsere Festgottesdienste nach dem Motto des Reformators. Sprich: Bei uns wird geredet und geredet. Da ist der Pfarrer »allein durch das Wort«. Und das in einer hochsakralen Atmosphäre der »Nachdenklichkeit« – einer denkt vor, die anderen müssen das »nachdenken«.

Katholiken dagegen haben, was das Feiern angeht, erkennbar 1500 Jahre mehr Multimedia-Erfahrung: Da gibt’s bunte Gewänder, da wird geklingelt, da vernebelt der Weihrauch die Sinne. Jetzt sagen Sie bitte nicht: »Ich wusste nicht, dass im Weihrauch psychoaktive Substanzen drin sind.« Aber sicher! Und wie! Die wirken krampflösend und antidepressiv! Ich finde, das erklärt einiges. Und hoffe nur, dass manchen Katholiken das Heil nicht eines Jüngsten Tages wegen Dopings aberkannt wird. Von so was liest man ja ständig in der Zeitung.

Weil mir als evangelischem Pfarrer der Gebrauch von weichen Drogen im Gottesdienst aber nun leider nicht erlaubt ist und die klassische Liturgie nur wenig Spielraum lässt, muss ich das Ganze dann eben doch über die Predigt rausreißen. Und tatsächlich gibt es Belege dafür, dass gute Predigten nach wie vor für viele Menschen ein entscheidender Grund für den Besuch eines Gottesdienstes sind.

Nur: Woran erkennt man eine gute Predigt? Vermutlich nicht daran, dass Ilse Schlupp Sonntag für Sonntag am Ausgang der Kirche mit bebender Stimme raunt: »Schön haben Sie gesprochen, Herr Pfarrer!« Aahh … Manchmal stelle ich mir dann vor, wie ich vor Frau Schlupp auf die Knie sinke und sie anflehe: »Bitte, Frau Schlupp, sagen Sie mir einmal – nur ein einziges Mal –, was an meiner Predigt schön war. Was ist es, das Ihnen gutgetan hat? Was hat Sie bewegt? Was haben Sie verstanden? We

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Kommentare
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Paul Haverkamp
19.09.201511:45
Für mich gehört zu einer guten Sonntagspredigt nicht nur der theologisch erklärende Teil, sondern vor allem das In-Beziehung-Setzen der Frohen Botschaft zur Lebens- und Glaubenswelt der Gottesdienstbesucher. Die Frohe Botschaft berührt einen Menschen nur dann, wenn er neugierig macht und vielleicht auch aufrüttelt, und wenn der Prediger Worte findet, die um die Folgen für die konkrete Gestaltung meines Lebens im Heute und Morgen kreisen.

Bonhoeffer formuliert es so: „Der Tag wird kommen, an dem wieder Menschen berufen werden, das Wort Gottes so auszusprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert. Es wird eine neue Sprache sein, vielleicht ganz unreligiös, aber befreiend und erlösend, wie die Sprache Jesu, dass sich die Menschen über sie entsetzen und doch von ihrer Gewalt überwunden werden, die Sprache einer neuen Gerechtigkeit und Wahrheit, die Sprache, die den Frieden Gottes mit den Menschen und das Nahen seines Reiches verkündigt.“