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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:
Vorgespräch

Frech wie Max und Moritz

von Esther Lehnardt vom 11.09.2015
Was kann Karikatur? Fragen an Dietrich Grünewald zur Fachtagung »Visuelle Satire«

Publik-Forum: Herr Grünewald, Sie sprechen bei einer Fachtagung im Stift Obernkirchen zum Thema »Visuelle Satire«. Erwarten Sie Gelächter?

Dietrich Grünewald: Visuelle Satire ist Satire, die mit Bildern arbeitet, also Karikaturen und Bildergeschichten. Die werden natürlich auch gezeigt, und Lachen ist da angebracht. In der Hauptsache geht es bei der Tagung aber darum, die Karikaturen und auch das Lachen zu reflektieren.

Die Tagung findet anlässlich des 150. Erscheinungsjahrs von »Max und Moritz« statt. Was haben die Bubenstreiche von Wilhelm Busch mit Satire zu tun?

Grünewald: Die Streiche von Max und Moritz sind zwar nicht schön, aber harmlos. Die Strafen, die gegen sie verhängt werden, sind hingegen völlig unverhältnismäßig. Am Ende werden beide sogar getötet. Das ist sehr deutlich eine scharfe Satire auf die Strafpädagogik des 19. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten von Busch entstanden in New York die »Katzenjammer Kids« nach dem Vorbild von Max und Moritz und begründeten damit den Siegeszug des neuen Genres, des Comics. Bis heute berufen sich Satirezeichner auf Busch als Inspiration.

Was erleben die Teilnehmer bei der Tagung?

Grünewald: Den roten Faden bilden Karikaturen der deutschen Geschichte. 25 Jahre nach der Wiedervereinigung beleuchten wir das Wesen des »deutschen Humors« in Ost und West, die Arbeitsmöglichkeiten von Karikaturisten vor und nach 1989 und die Veränderung der Szene nach dem Mauerfall. Aus aktuellem Anlass spielt auch die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Karikaturen eine Rolle.

Erfährt man da auch, wie so eine Karikatur entsteht?

Grünewald: Ja, der Karikaturist Rolf Henn (alias Luff) wird den Blick durch die satirische Lupe vorstellen und dabei ganz praktisch zeigen, wie er arbeitet.

Was ist das Spannende an Karikaturen?

Grünewald: Karikaturen haben eine eigene Bildsprache: Der Betrachter muss ein gewisses Übersetzungsgeschick haben, um die Bedeutung zu erkennen. Wenn zum Beispiel ein Politiker als Boxer dargestellt wird, heißt das nicht, dass er tatsächlich boxt, sondern vielleicht, dass er in Debatten sehr aggressiv argumentiert.

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