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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Entglobalisiert euch!

von Wolfgang Kessler vom 16.05.2020
Seit Jahren ignorieren Politik und Wirtschaft die Schattenseiten der Globalisierung. Nach Corona braucht es Alternativen.
Container-Schifffahrt: Symbol für den boomenden Welthandel (Foto: iStock by Getty / pigphoto)
Container-Schifffahrt: Symbol für den boomenden Welthandel (Foto: iStock by Getty / pigphoto)

Was Millionen von Demonstranten weltweit nicht schafften, erreichte ein Virus in wenigen Wochen: Die Globalisierung der Wirtschaft wird infrage gestellt. Plötzlich fehlten Atemmasken und Schutzkleidung für das Pflegepersonal. Die Pharmakonzerne schlugen Alarm: Es könnten bald Medikamente fehlen. Die Autokonzerne schlossen ihre Pforten auch deshalb, weil Vorprodukte nicht lieferbar waren. Plötzlich macht ein Wort die Runde, das bisher nur Kritiker eines ungebändigten Welthandels in den Mund nahmen: De-Globalisierung. »Die Corona-Krise wird die Abkehr von der Globalisierung rasant beschleunigen«, prophezeit Dalia Marin, Professorin für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität München. Es geht also.

Das wäre eine Zeitenwende. Denn insbesondere seit 1989 wird der Weltmarkt für exportstarke Volkswirtschaften wie die deutsche immer wichtiger. Der politischen Revolution von 1989 war nämlich eine wirtschaftliche gefolgt. Viele Beschränkungen auf den Finanzmärkten wurden abgeschafft, die Märkte in Osteuropa, Russland und China geöffnet, der Welthandel erleichtert. Flexibel wie nie zuvor konnten Unternehmen darüber entscheiden, wo sie welche Teile ihrer Produktion anfertigen ließen. Baumwolle aus Kasachstan, zu Garn gesponnen in der Türkei, genäht in Bangladesch, gefärbt und veredelt in China – der Weg einer Jeans ist weit. »Die Lieferketten wurden immer länger«, sagt Dalia Marin. Erleichtert und beschleunigt wurde die Globalisierung durch geringe Transportkosten und neue Technologien, die eine schnelle Kommunikation ermöglichten. Seit 1995 hat sich der Welthandel versechsfacht. Für die deutsche Wirtschaft wurde die Globalisierung zum Schmiermittel des Wirtschaftswachstums. In vielen Schwellenländern wie China, Indonesie

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