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04.06.2019
Ist Israel-Boykott antisemitisch?
Der Bundestag hat die BDS-Bewegung (die Abkürzung steht für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) jüngst als antisemitisch eingestuft. Diese fordert in unterschiedlicher Ausprägung einen Boykott Israels. Sechzig jüdische und israelische Wissenschaftler hatten sich zuvor an die deutschen Abgeordneten gewandt – um den Beschluss zu verhindern. Ist es antisemitisch, einen Israel-Boykott zu fordern?

Ist Israel-Boykott antisemitisch?

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insgesamt abgegebene Stimmen: 628
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Kommentare
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Hiltrud Schmitz
16.06.201910:33
Die Frage ist mir zu ungenau. Es gibt Gruppen, die nicht alles , was aus Israel kommt, boykottieren wollen, sondern nur das, was aus Siedlungen in den Gebieten kommt.Nur ist das oft sehr schwer festzustellen, dann muss man leider grundsätzlich das, was aus Israel kommt ablehnen!
Außerdem finde ich es seltsam das Frau Griese beklagt, dass teilweise Veranstaltungen mit Israels gestört werden, es Sie aber nucht stört, dass Veranstaltungen , auf denen die Politik Israels möglicherweise kritisch gesehen wird, oft erst gar keine Räumlichkeiten bekommen!
Hiltrud Schmutz
Johannes Brandstäter
15.06.201915:24
Ich bin mir unsicher über den Sinn und Nutzen von BDS. Aber die Bewegung als antisemitisch zu brandmarken ist nicht sachgerecht. Die Antwortalternativen lassen leider eine solche Differenzierung nicht zu. Derzeit geht die Sorge um die Meinungsfreiheit in den Ländern Europas um, mit Recht. Jedes Land scheint seine eigene Achillesferse zu haben - in Deutschland ist es der Holocaust und die Gesprächslage zu Antisemitismus. BDS muss in Deutschland vertreten werden können. Auch um den politischen Spielraum für die Verteidigung der Rechte der Palästinenser zu erhalten, diesseits und jenseits von BDS.
Peter-Michael Kuhn
12.06.201921:48
Unerträglich ist die Argumentation von Kerstin Griese (aus dem Rat der EKD!) im humanitär begründeten BDS-Aufruf gewaltfreier Mittel für ein Ende der völkerrechtswidrigen Besetzung Palästinas eine Parallele zur gewalttätigen NS-Parole "Kauft nicht bei Juden" zu behaupten. Im BDS-Aufruf ein "Hindernis für eine Friedenslösung" zu erklären kann an Zynismus nicht übertroffen werden. Die Missachtung des Völkerrechts und der Menschenrechte in Israel/Palästina sind das Hindernis. Ich kann Ulrich Duchrow nur zustimmen, der kritisiert, dass Publik-Forum unbelegte Aussagen von Frau Griese veröffentlicht wie die Sprengung von "Veranstaltungen mit Holocaustüberlebenden" durch BDS-Aktivisten.
Martin Rambow
12.06.201917:44
Diejenigen, die einen Boykott als "antisemitisch" ablehnen, weil dadurch nicht die Politik, sondern die ganze Bevölkerung bestraft werde, übersehen, dass ca. 20% der Bevölkerung Israels gar nicht jüdisch sind. Also wäre BDS auch (hinsichtlich der arabischen Israelis) anti-arabisch? Außerdem: Die Politik eines Staates zu kritisieren (u.U. in Verbindung mit politischem Druck), hat nichts zu tun mit der Nationalität seiner Bewohner. Russland zu boykottieren wegen der Annexion der Krim, ist ja wohl nicht antirussisch, oder? Schließlich: Boykott ist für die israelische Politik ein durchaus gern genutztes Instrument. Wer wurde / wird nicht alles von Israel boykottiert: UN, UNESCO, EU, die Palästinensische Autonomiebehörde usw. usw.
Paul Schäfer
11.06.201918:26
Leider ist die Fragestellung unpräzise und arbeitet daher dem Resssentiment zu, es gehe um einen Boykott Israels. Es geht aber viel mehr darum, dass Waren aus den besetzten Gebieten boykottiert und aus dem Besatzungsregime rührende Wirtschaftsgewinne ausgeschlossen werden solle. Das ist auch der Ansatz der Entschließungen der UNO und der EU, die die besondere Kennzeichnung von Produkten aus den besetzten Gebieten fordern. Die Boykottbewegung will, dass diese Forderung konsequent umgesetzt wird und der Verstoss dagegen nicht folgenlos bleibt.
Gertrud Nehls
10.06.201921:37
Wie könnten wir sonst noch auf die Benachteiligung der Palästinenser reagieren?
Berthold Keunecke
10.06.201921:23
Dr. Sara Roy, Kind von Holocaustüberlebenden, schreibt an Bundestagsabgeordnete, die BDS mit Antisemitismus gleichsetzen wollen: "Durch Ihr Bestehen darauf, Juden als Ausnahme zu behandeln, schwächen Sie uns, denn Sie machen uns wieder zu einer Art Anomalie, einem Eindringling, einer Negation Europas. Es macht uns anfälliger und ungeschützter für den Rassismus und den wahren Antisemitismus, der heute in der ganzen Welt wiederauflebt."
Björn Luley
10.06.201921:15
Hannah Arendt hatte schon Recht als Sie schrieb, daß es die "Erzsünde" des Zionismus sei, den Antisemitismus für politische Zwecke zu instrumentalisieren.
BDS hat mit Antisemitismus, den es immer und überall genau so wie den Rassismus zu bekämpfen gilt, nichts, aber auch gar nichts zu tun!
Philipp Nessling
09.06.201923:04
Boykott ist ein gewaltfreies politisches Mittel der Aktion, das international z.B. auch gegen die Apartheid-Politik in Südafrika eingesetzt wurde.
BDS bestreitet nicht das Existenzrecht Israels, sondern wendet sich gegen dessen völkerrechts- und menschenrechtswidrige Politik gegenüber den Palästinensern.BDS mit dem Rassismus der Nationalsozialisten gleich zu setzen verharmlost diesen maßlos.
Lawrence Zweig
09.06.201921:55
Viele Juden finden es sogar eine Verpflichtung Israel weg von diese selbst-zerstörerische- und Anti-Jüdische Pfad zu Bewegen.
Wichtig auch ist klar zu sagen, daß Israel gar nicht allein Boykott verdient... USA, China, Saudia, Russland, Deutschland/Europa.... haben tonnenweise Ausbeutung hinter sich... und noch vor sich. Für mich als Jude, aber kommt Israel zuerst ins Ziel.
Ich boykottiere Israel seit 1987, und ich boykottiere Nestlé seit noch länger.
Angela Krause
09.06.201920:28
Der BDS-Vorwurf wird dazu instrumentalisiert, um über die völkerrechtswidrige Annexion nicht nur der Golan-Höhen sondern auch von Teilen der Palästinensergebiete (Westbank) und der Behandlung der Palästinenser insgesamt nicht sprechen zu müssen.
Judith Bernstein
09.06.201919:53
Der Einsatz für Menschenrechte KANN nicht antisemitisch sein.
Winfried Kern
09.06.201917:49
zuallererst müßen alle Waffenlieferungen und
- ersatzteilieferungen unterbunden werden. Natürlich für beide Parteien.
Günter Schenk
09.06.201917:25
Frau Grieses Wiederholung von Plattitüden über BDS aus der Propagandakiste ist ein Zeichen, dass sie ihr Wissen nicht aus genauem Hinsehen der BDS-Bewegung hat. Keine einzige Erklärung der BDS-Bewegung erlaubt eine Nähe zu "Kauft nicht bei Juden" zu erkennen. Schließlich erklärt BDS ausdrücklich, was zur Beendigung der Bewegung führen wird. Frau Grieses häufige "wir dürfen nicht zulassen...", "niemals dulden" sind höchst bedenklich, stehen im Widerspruch zu ihrem Bekenntnis zur Meinungs-,Kunst- und Wissenschaftsfreiheit, wenn Universitäten all jenen verschlossen bleiben, die über das Für und Wider auch nur debattieren wollen. Wann, so frage ich sie, wurde von BDS das Existenzrecht Israels - absurd - infrage gestellt, wenn BDS ausschließlich die Einhaltung des Völkerrechts und der (infolge des Beitritts zu den VN) bindenden "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" durch den Staat einfordert?
Dieter Endemann
08.06.201920:33
Der Beschluss des Bundestages gründet auf einer Antisemitismusdefinition der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance), die nach Erkenntnis des Ökumenischen Rates der Kirchen (veröffentlicht am 29.01.2019) nicht geeignet ist, Fälle von verurteilenswertem Hass gegen Jüdinnen und Juden aufgrund ihres Jüdischseins zu unterscheiden von legitimer Kritik an Handlungen Einzelner, Gruppen oder der israelischen Regierung. "Die schwammige und inklusive Formulierung hilft leider eher jenen Personen und Instanzen, die jede Art von Kritik an der Politik der israelischen Regierung als antisemitisch motiviert darstellen wollen."
Heinz Assenmacher
08.06.201915:02
BDS ist eine Bewegung für das Volkerrecht und das Recht auf Selbstbestimmung des palästinensischen Volkes.
Ulrich Duchrow
08.06.201914:02
Wir haben eine Ökumenische ERklärung dazu veröffentlicht:
http://kairoseuropa.de/wp-content/uploads/2019/06/%C3%96kumenische-Erkl%C3%A4rung-zur-Verteidigung-des-Grundgesetzes-und-des-V%C3%B6lkerrechts-gegen%C3%BCber-dem-Deutschen-Bundestag-1.pdf
Eine Behauptung wie die von Frau Griese über die "Sprengung" von Veranstaltungen durch BDS-Anhänger dürfte von PuFo ohne Beweise nicht veröffentlicht werden!!!
Nazih Musharbash
08.06.201913:56
mit der Beendigung der Besatzung und der Anerkennung der Selbstbestimmungsrecht der Palastinenser auf einen Staat in den Grenzen von 1972 werden sämtliche Aktionen beendet,
Die Kritik an einer Regierung, die ständig das Völkerrecht bricht, ist legitim und gar Bürgerpflicht.
Dr. Ribhi Yousef
08.06.201913:37
BDS ist ein Form des Widerstands gegen eine Besatzung und setzt sich für ein friedliches Miteinanderleben von Palästinensern und Israelis ein.
Ruedi Knutti
08.06.201913:20
Die Hetze gegen BDS zeigt überdeutlich, dass es nicht gegen Antisemitismus geht, sondern darum, Israel weiterhin vor der Einlösung der mit der Aufnahme in die UNO (Resolution 273) eingegangene Verpflichtung zur Erfüllung der UNO-Resolutionen 181 und 194 wie auch von der Einhaltung der IV. Genferkonvention zu beschützen.
Werner Schwarz
07.06.201919:47
Insgesamt abgegbene Stimmen: 35, davon 63% mit Nein. also so 20 Nein-Stimmen,. Was soll das schon.
Bräuchte man sich eigentlich gar nicht aufregen und könnte sich die Tipperei sparen. Wenn ich halt das Gefühl leider nicht loswürde, daß hier eine bewußte Desinformation betrieben wird.
Denn entweder ist dieser Prozentsatz typisch für das lesende und klammheimlich applaudierende Publikum, oder eben für die Sicht der Redaktion. Beides finde ich nicht erbaulich. Das Abo von Publik Forum habe ich bereits gekündigt, denn unter solchen Menschen fühle ich mich nicht mehr wohl.
Ute Plass
07.06.201913:41
Der parlamentarischen Abgeordneten Kerstin Griese empfehle ich sich mit dem Beitrag von
Ilana Hammerman in Haaretz zum BDS-Bundestagsbeschluss auseinander zu setzen:


https://bib-jetzt.de/bib-blog.html#blog
Ute Plass
07.06.201913:36
Nein, "Israel Boykott" ist nicht antisemitisch.
Schließe mich den Einlassungen des israelischen Historikers Zuckermann an, der sagt:

"Letztlich hat das gesamte deutsche Parteienspektrum die BDS-Bewegung des Antisemitismus geziehen, ohne sich auch nur einen Moment lang zu fragen, was daran antisemitisch sei, dass die in der Weltpolitik machtlosen Palästinenser die Möglichkeit des gewaltlosen Widerstands für sich in Anspruch nehmen. Vergleiche zum Juden-Boykott der Nazis wurden bemüht, ohne wenigstens zu reflektieren, was die Nazis mit ihrem Juden rassistisch verfolgenden Akt bezweckten. Die BDS-Kampagne richtet sich hingegen nicht gegen Juden, sondern gegen Israel – gegen ein Israel, das seit über 50 Jahren ein brutales Okkupationsregime gegen die Palästinenser aufrechterhält, sie knechtet, entrechtet, schikaniert und entmündigt."
Thomas Kopfer
05.06.201918:00
Besser müsste hier von anti-jüdisch oder anti-israelisch Boykotten gesprochen, aber auch dies trifft nicht, der genannte Begriff "semitisch" ist generell zu unscharf, den Semiten sind gar nicht gemeint, wohnen nicht in Israel, wie es auf Juden zutrifft, die übrigens Neu-Hebräisch als Amtssprache haben. Erinnert an den Hebräer-Brief der auch nicht vom Heidenapostel Paulus, sondern seinem hellinistischen Freund und scharfen Kritiker Appolon verfasst worden sein soll.
Ansonsten sind solche Boykotte oft ziemlich wirkungslos, da Verbraucher zu viele Interessen verfolgen, also eine inhomogene, nicht eine Partei, Regierung und Gruppe.
Will man Politiken verändern, dann müssen die Wähler anders wählen, diplomatische Bemühungen auf höchster Ebene oder es müssen Menschen mit neuen Ideen sich für Wahlen aufstellen lassen oder neue Parteien gründen. Auf jeden Fall sind alle diese Weg lang, aber der Fortschritt war schon immer eine Schnecke!