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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2019
Abschied von Gandhi
150 Jahre nach seiner Geburt herrschen in Indien Gewalt und Fanatismus
Der Inhalt:

Verzweifelt in Hongkong

von Tobias Brandner vom 07.10.2019
Eine der Hymnen der Bürgerrechtler ist aktuell der religiöse Song »Sing Hallelujah to the Lord«. Christen zählen zu den Trägern der Proteste für Demokratie
Mit dem Kreuz für Demokratie: Christen in Hongkong (Foto: pa/Reuters/Danish Siddiqui)
Mit dem Kreuz für Demokratie: Christen in Hongkong (Foto: pa/Reuters/Danish Siddiqui)

Die gute Nachricht zuerst: Die Menschen in Hongkong kaufen weder Notvorräte, noch bleiben sie verängstigt zu Hause. Die internationale Berichterstattung ist verzerrend, denn sie suggeriert, dass ganz Hongkong eine Kampfzone sei. Das ist nicht der Fall. Die wichtigsten Demonstrationen der Demokratieaktivisten gegen ein Anpassungsgesetz an die autoritäre Volksrepublik China – konkret gegen das »Gesetz über flüchtige Straftäter und Rechtshilfe in Strafsachen« – verliefen gewaltlos – am 9. Juni mit einer Million Teilnehmenden, am 16. Juni mit zwei Millionen und am 18. August mit 1,7 Millionen. Hongkong mit 7,5 Millionen Bürgern ist weiterhin eine der sichersten Städte der Welt.

Doch die letzten Monate brachten ein für Hongkong unerreichtes Ausmaß an Gewalt. In den letzten fünfzig Jahren gab es ja in Hongkong nur etwa drei Tränengaseinsätze. Gummigeschosse und Wasserwerfer waren unbekannt. Seit dem 12. Juni hat die Polizei jedoch bereits über tausend Tränengaspetarden und über 160 Salven Gummigeschoss abgefeuert.

Chinas Repression gegen Christen

Gewalt geht von beiden Seiten aus, von Demonstranten und der Polizei. Doch die schwersten Übergriffe beging die Polizei, mit ihrem weit überlegenen Waffenarsenal. Die gelegentliche Gewalt der Demonstranten mag irrational und schädlich sein. Doch gibt es Gründe dafür, über die Wut über die übermäßige polizeiliche Gewalt hinaus. »Du, Carrie Lam, hast uns beigebracht, dass gewaltloser Protest nutzlos ist.« Diesen Spruch sprühten Demonstranten nach der Stürmung des Parlaments an die Wand. Carrie Lam ist die China-freundliche Regierungschefin von Hongkong. Nach der ersten Großdemo am 9. Juni weigerte sie sich, ihre Politik zu ändern. Er

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