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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2020
Mission impossible
Kolonialismus und Rassismus in christlichem Gewand
Der Inhalt:

»Steh nicht stille im Vergangenen …«

von Britta Baas vom 19.06.2020
Sind Reformbewegungen in der katholischen Kirche in der Corona-Krise eigentlich systemrelevant?
Tanzende Pappfiguren an der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster: Das Kunstprojekt von Maria 2.0 entstand an einem Samstag im Mai – und wurde nur Stunden später geschändet (Foto: Kötter)
Tanzende Pappfiguren an der Heilig-Kreuz-Kirche in Münster: Das Kunstprojekt von Maria 2.0 entstand an einem Samstag im Mai – und wurde nur Stunden später geschändet (Foto: Kötter)

An jenem Samstag im Mai scheint die Welt in Ordnung zu sein. Zumindest so in Ordnung, wie sie unter Corona-Bedingungen sein kann. In Münster haben sich rund um die Heilig-Kreuz-Kirche ein paar Frauen und Männer versammelt. Sie wollen ein Kunstprojekt Wirklichkeit werden lassen. Tagelang haben sie alles vorbereitet, jetzt stellen sie weiße Pappfiguren an die Kirchenmauern, lebensgroß. Auf jeder steht ein Wort. Wer will, kann ganze Sätze lesen: »Steh nicht stille im Vergangenen.« Oder: »Was früher war …«

Die Frauen und Männer sympathisieren mit der Bewegung Maria 2.0, die vor einem Jahr mit einem bundesweiten Streik bekannt wurde, der in Münster seinen Ausgang nahm. Zehntausende Frauen blieben tagelang der Kirche fern. Sie boykottierten die Gottesdienste, legten ihr kirchliches Ehrenamt auf Eis und verweigerten jedweden Job, für den sie sonst keine Mühen scheuten. Ihr Ziel: die Kirche zu reformieren, Gleichberechtigung durchzusetzen, das Ende des theologisch untermauerten Patriarchats einzuleiten. Jetzt, ein Jahr später, organisiert sich die Bewegung unter den Bedingungen der weltweiten Bedrohung durch ein todbringendes Virus. »Wir sind lange bei uns geblieben, zu Hause, im Nachdenken, im Stillen«, sagt Lisa Kötter, Künstlerin und eine der Gründerinnen von Maria 2.0. »Aber die Aura der Leute fehlt. Wir wollten endlich wieder etwas Authentisches, Direktes tun.«

Die Freude währt nur eine Nacht. Dann bemächtigen sich andere Christen mit anderen Ideen im Kopf der Kunstaktion. Menschen, die unbedingt stille stehen wollen im Vergangenen. Die Figuren werden mit roter Schrift übermalt. Mit Bibelstellen wird der Aufbruchsgeist übertüncht, der Zorn Gottes auf

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