Friedensbischof für Regensburg?
Gott sei Dank! Sie hat sich nicht durchgesetzt. Häufig war die Regensburger Fürstin Gloria von Thurn und Taxis in den letzten Monaten im Vatikan und in dessen römischem Umfeld vorstellig geworden, um einen möglichst Erzkonservativen zum Bischof von Regensburg zu machen. Einen, der die konfliktfreudige, herrscherliche Linie des Amtsvorgängers, Bischof Gerhard Ludwig Müller – seit dem Sommer Präfekt der mächtigen Glaubenskongregation im Vatikan –, fortsetzen würde. Georg Gänswein, der Name des Papstsekretärs und Kirchenrechtlers aus dem Schwarzwald, wurde in diesem Zusammenhang ins Spiel gebracht.
Doch nun hat Rom anders entschieden – und mit dem aus Bayern stammenden Dogmatiker Rudolf Voderholzer eine vernünftige Entscheidung getroffen. Die vatikanische Bischofskongregation unter dem kanadischen Kardinal Marc Ouellet, einem aufgeschlossenen Mann mit großer Seelsorge-Erfahrung, tat das Ihre, um konservative Polarisierer als Bischofskandidaten nicht zum Zug kommen zu lassen.
Rudolf Voderholzer, der neue Regensburger Bischof, hat seine Doktorarbeit über den Jesuiten Henri de Lubac (1896-1991) geschrieben, einen der ganz Großen in der progressiven, katholischen Theologie Frankreichs im 20. Jahrhundert. De Lubac hat nicht nur das Konzil, er hat auch den Dialog der Kirche mit dem Marxismus maßgeblich geprägt. Voderholzers Doktorvater in München war Gerhard Ludwig Müller, als dessen Universitätsassistent der neue Bischof neun Jahre lang arbeitete.
Voderholzer leitet das Regensburger Institut Benedikt XVI., das die Werke von Joseph Ratzinger herausgibt. Er ist also ein Mann der Kontinuität. Doch er gilt als fähig zur Öffnung. Es ist zu wünschen, dass ihm gelingt, was die Aufgabe eines Bischofs ist: ein Brückenbauer, Ermutiger und Lehrer des Glaubens in seiner seit dem 8. Jahrhundert lebendigen, großen Diözese zu sein. Beweisen kann er das in diözesan-übergreifendem Stil 2014: Dann findet der nächste deutsche Katholikentag im Bistum Regensburg statt.
