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Der Papst lobt die Liebe

von Thomas Seiterich vom 08.04.2016
Papst Franziskus will mehr Barmherzigkeit; das weiß man schon. Doch wie barmherzig die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie künftig ausgelegt werden soll, bringt römische Hardliner auf die Palme. In seinem heute veröffentlichten Schreiben »Amoris Laetitia« – »Die Freude der Liebe« – geißelt der Papst die »kalte Schreibtischmoral vieler Geistlicher«. Priester dürften die Kirchengesetze nicht anwenden, »als seien sie Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft«. Indes: An der Lehre selbst ändert sich offenbar nichts
Papst Franziskus liebt das Bad in der Menge. Die Menschen liebt er auch - selbst wenn sie nicht nach strengen katholischen Regeln leben. (Foto: pa/AP/Riccardo De Luca)
Papst Franziskus liebt das Bad in der Menge. Die Menschen liebt er auch - selbst wenn sie nicht nach strengen katholischen Regeln leben. (Foto: pa/AP/Riccardo De Luca)

Es ist schon unverfroren, ja es grenzt geradezu an Frechheit, wenn ausgerechnet die römische Kirche ein umfangreiches Buch mit »Die Freude der Liebe« (»Amoris Laetitia«) betitelt. Ausgerechnet jene mächtige Oberkirche, die die sexuelle Lust verteufelte, die für Sex das Unwort von der »ehelichen Pflicht« lehrte, deren Priester im Beichtstuhl die Eheleute in puncto Sechstes Gebot dreist ausfragten – sie preist nun in tausenden Worten die Liebe.

Tja, unter Papst Franziskus hat Rom einen beträchtlichen Sprung gemacht. Dieselbe Kirche, die noch meinen Großeltern und Eltern vorschrieb, wie sie miteinander zu schlafen hätten – in Missionarsstellung –,die will heute, da der gnadenlose globale Kapitalismus die Familien in den armen Ländern bedroht, zur mächtigen Helferin der Eheleute und der Liebenden werden.

2014 und 2015: Weltsynoden stritten um das heikle Thema

Franziskus hat aus den Weltbischofssynoden zu Ehe und Familie 2014 und 2015 ein dickes Buch gemacht. Er war nach seiner Wahl 2013 frisch und unerschrocken in das innerkirchlich heiße Thema Sex und Partnerschaft hineingesteuert – doch auf den zwei Synoden wurde er damit konfrontiert, dass sehr viele Bischöfe an der altüberkommenen Ehe- und Sexuallehre festhalten wollten, auf Biegen und Brechen. Da kam auch ein römischer Christus-Stellvertreter mit seinen Reformvisionen nicht durch.

Der Grund: Ein Pontifex ist innerhalb seiner katholischen Kirche nur sehr theoretisch ein allmächtiger Chef. Die innerkirchliche Hauptaufgabe des Papstes ist es, »den Verein zusammenzuhalten«. Und dies ist angesichts starker Fliehkräfte in Europa wie in Afrika enorm schwierig, ein Kraftakt. Dem entsprechend milde und

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