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Bitte um Verzeihung

Die in Sprachgruppen aufgeteilten Kardinäle bei der Familiensynode in Rom haben ihre Berichte vorgelegt. Dabei setzen die deutschsprachigen Teilnehmer Maßstäbe: Sie bitten sensibel um Entschuldigung für die lebensfeindliche Rigidität, mit der die Amtskirche Liebenden und Eheleuten das Leben schwer gemacht hat
von Thomas Seiterich vom 23.10.2015
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Papst Franziskus in diesen Tagen im Gespräch mit Bischöfen aus aller Welt: Die konservative Phalanx einiger Mitbrüder macht ihm schwer zu schaffen. Er versucht's mit Umarmungsstrategie. Ob das nützen wird? (Foto: pa/dpa/Fabio Frustaci)
Papst Franziskus in diesen Tagen im Gespräch mit Bischöfen aus aller Welt: Die konservative Phalanx einiger Mitbrüder macht ihm schwer zu schaffen. Er versucht's mit Umarmungsstrategie. Ob das nützen wird? (Foto: pa/dpa/Fabio Frustaci)

Der europäische Kardinal, dessen Name nicht genannt werden darf, weil es sich um ein vertrauliches Hintergrundgespräch handelt, zeigt sich einigermaßen ratlos, wenn er nach seinen Synodenkollegen gefragt wird. Der Mann ist Theologe – kein schmalspuriger Kirchenrechtler wie viel zu viele seiner Bischofskollegen aus Übersee. »Schauen Sie sich nur die Texte an«, sagt er, und wendet seinen Blick für eine Zehntelsekunde Hilfe heischend gen Himmel. Doch dort oben ist an diesem Nachmittag nur lichtes, römisches Oktoberblau zu sehen. Theologische Anstrengungen hat praktisch nur der deutschsprachige, dreizehnte Synodenarbeitskreis unternommen.

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Der deutschsprachigen Synodenarbeitsgruppe – so schreibt sie in ihrem Abschlussbericht, der »Relatio«, ist das »Bekenntnis wichtig: »Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral zu harten und unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben, insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuell orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete. Als Bischöfe unserer Kirche bitten wir um Verzeihung.«

Relator, Berichterstatter dieser Arbeitsgruppe, ist der Berliner Erzbischof Heiner Koch (früher Dresden). Moderator, und damit »Zusammenführer der Positionen«, ist der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, ein Mann mit außergewöhnlichen sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten. Hinter diesem Schuldbekenntnis stehen einstimmig sowohl der Chef der Glaubensbehörde, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, wie auch die aufgeschlossenen Kardinäle Reinhard Marx und Walter Kasper. Die Einstimmigkeit ist ebenso bemerkenswert wie die sensible Erinnerung an kirchliche Untaten – keine andere Sprachgruppe hat mit ähnlich weitem Horizont und kritischem Blick gearbeitet.

Die Berichte anderer Sprachgruppen lesen sich wie ein Wunschzettel: Rom soll die Lehre vorgeben, wir Synodenväter wünschen uns nun dies und das ...

Der Circulus Germanicus

Die selbstbewusste Arbeit des Circulus Germanicus (so die offizielle Bezeichnung) ist von den Bewahrern teils heftig angefeidet worden. Rustikale Konservative wie der theologisch simpel gestrickte australische Kurienkardinal George Pell nahmen insbesondere den 82-jährigen Kardinal Walter Kasper ins Visier, weil der als der theologische Vordenker der Barmherzigkeit gilt. Also jener kirchlichen »Zukunftstugend«, die Papst Franziskus mit seinem Naturell und seiner Intuition unnachahmlich verwirklicht.

Wie tief diese rechten Attacken gingen, formulieren die Eingangssätze der vierseitigen Relatio. »Mit großer Betroffenheit und Trauer haben wir die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode wahrgenommen. Dies widerspricht dem Geist des Zusammengehens, dem Geist der Synode und ihren elementaren Regeln. Die gebrauchten Bilder und Vergleiche sind nicht nur undifferenziert und falsch, sondern verletzend. Wir distanzieren uns entschieden.«

Leider gibt es die lesenswerte, öffnende Relatio nur auf Deutsch und Italienisch, es fehlt eine englische Übersetzung. So wird ihre Wirkkraft beschränkt bei den Abstimmungen am Ende der Synode.

Im Abschlussbericht der deutschsprachigen Gruppe heißt es: »Wie empfehlen ein vertieftes Studium der Fragen mit dem Ziel einer lehramtlichen Neubewertung und einer größeren Kohärenz der dogmatischen, moraltheologischen und kirchenrechtlichen Aussagen zur Ehe in der pastoralen Praxis.«

Vorbild für das Schlussdokument?

Für die wiederverheirateten Geschiedenen schlägt die Gruppe vor, »dass künftig ein Priester oder Beichtvater im Gespräch mit den Betroffenen klären soll, ob nach der Schließung einer weiteren Zivilehe ein Zugang zu den Sakramenten möglich ist.«

In diesem Gespräch müsse die »objektive Situation« betrachtet werden. Dazu zähle auch die Frage, wie es um den verlassenen Partner steht, ob die neue Partnerschaft in der weiteren Familie oder in der Pfarrei Verletzungen und Ärgernisse schafft. Eine solche »ehrliche Besinnung« könne »das Vertrauen in die Barmherzigkeit Gottes stärken, die niemand verweigert wird«.

So könnte eine Öffnung der Lehre am Ende der Synode aussehen – doch eine klare Mehrheit zeichnet sich nach den 13 Relationes der Sprachgruppen nicht ab.

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Schlagwort: Kirche
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