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Kolumne von Anne Lemhöfer
Und jetzt alle!

Unsere Kolumnistin erinnert sich an die Protestlieder, zu denen sie als Kind einschlief. Heute bringt sie selbst Kinder ins Bett und fragt: Was braucht es, um uns angesichts der Klimakrise aus unserer Ohnmacht zu holen?
vom 22.09.2026 Vorgelesen von einer künstlichen Stimme.
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(Illustration: istockphoto/ekapanova)
(Illustration: istockphoto/ekapanova)

Es waren die frühen 1980er-Jahre, ich war vier oder fünf und saß im Schlafanzug in einem braunen Sessel mit Cordbezug bei uns im Wohnzimmer, einen Bären im Arm. Um mich herum saßen meine Eltern und ihre Freundinnen und Freunde, einer spielte Gitarre, alle sangen. Sie nannten sich »Friedensinitiative«, was etwas Gutes war, womit im Kindergarten aber niemand etwas anfangen konnte, wenn ich verkündete: »Heute ist Donnerstag, und da ist bei uns die Friedensinitiative!« Unter anderem sang die Friedensinitiative ein Lied, das davon handelte, dass unter dem Pflaster der Strand lag, was zwar rätselhaft war (ich kannte nur die Pflaster auf meinen verschrammten Knien), aber sich sehr schön anhörte: »Unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand, komm’, reiß auch du ein paar Steine aus dem Sand …« O ja, das wollte ich gerne tun. Es ging, das verstand ich später, um den Kampf gegen Atomraketen und darum, die Erde vor Krieg und Zerstörung zu bewahren. Irgendwann schlief ich an solchen Abenden auf dem Sessel ein und wachte morgens im Bett auf, mit dem Protestsong-Ohrwurm und einem Gefühl der Geborgenheit. Die Welt war unheimlich, aber es gab Menschen, die sich kümmerten. Nicht, dass alles gut geworden wäre. Aber nicht zu singen wäre auch keine Lösung gewesen.

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