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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2018
Geld sauber anlegen
Wie es geht. Was es bringt. Worauf man achten muss
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: »Diese Musik ist übernatürlich«

Der Muslim Yousuf Ejazi lernt in einer evangelischen Kirche in Siegen Orgelspielen. Die Werke von Bach rühren sein Herz

Ich weiß noch genau, wie es war, als ich zum ersten Mal eine Orgel gehört habe. Es war ein großes Erlebnis für mich! Ich komme aus Afghanistan. 2016 bin ich mit meiner Familie nach Deutschland geflüchtet. Kurz nach unserer Ankunft in Siegen bin ich an der Martinikirche vorbeigelaufen und habe Orgelklänge gehört. Leider war die Tür verschlossen. Ein paar Tage später bin ich wieder hingegangen. Diesmal war sie offen, und so bin ich reingegangen. Es war das erste Mal, dass ich eine Kirche betreten habe. Eine Orgel hatte ich vorher nur auf Bildern gesehen und noch nie in echt gehört. Dann habe ich den Organisten angesprochen und ihn gefragt, ob er für mich eine Bach-Fuge spielen könnte. So fing es an.

Seitdem habe ich Unterricht bei ihm. Ulrich Stötzel bringt mir Orgelspielen bei, und dass ich so gut Deutsch spreche, habe ich ihm auch zu verdanken. Oft reden wir nach dem Unterricht noch stundenlang, unterhalten uns über Gott und die Welt. Inzwischen bin ich öfter in der Kirche als in der Moschee.

Dass ein Muslim in die Kirche geht, ist schon außergewöhnlich. Das war es am Anfang auch für meine Mutter. Überhaupt bin ich der Erste in meiner Familie, der ein Instrument spielt. In Afghanistan ist das nicht üblich; unter den Taliban war es sogar verboten. In Kabul gibt es eine Musikakademie, aber sonst nicht viel. Ich hatte Glück, dass mein Vater mir immerhin ein Plastik-Keyboard gekauft hat.

Das Notenlesen habe ich mir selbst beigebracht; aus dem Internet habe ich mir entsprechende E-Books heruntergeladen. Manchmal, wenn ich jetzt selber Bach spiele, denke ich noch an mein altes Leben in Kabul zurück. Damals habe ich mir klassische Musik auf