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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Der Kampf um das Papstamt

von Michael Schrom vom 23.09.2016
In seinem neuen Buch lobt Benedikt XVI. seinen Nachfolger in höchsten Tönen. Doch dahinter verbirgt sich viel Frust

Was für ein Vorwurf. Auf der ersten Seite im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) nimmt Christian Geyer das päpstliche Schreiben »Amoris Laetitia« aufs Korn und lässt an ihm kein gutes Haar. Das Lehrschreiben des Papstes sei eine »Unterweisung in Sachen Ehe und Ehebruch«. Weil Franziskus es in einer kirchenrechtlich nicht eindeutig fassbaren Sprache formuliert hat, komme dies »dem faktischen Verlust des Sündenbegriffs entgegen«. Dadurch verwirre der Papst nicht nur die Gläubigen, sondern verrate auch etliche Märtyrer und Heilige. Unterstützt werde diese Revolution durch den »schwärmerischen« Lobgesang des Wiener Kardinals Christoph Schönborn und die »sphinxhafte« Auslegung durch Kardinal Kasper, wonach Franziskus zwar keine Lehre abschaffe, aber »alles« ändere.

Geyer ist weder Kardinal noch Theologieprofessor, sondern Publizist. Aber man muss kein Vatikanexperte sein, um zu ahnen, dass er den geballten Unmut konservativer Kreise ausdrückt, nach dem Motto: Wie kann dieser Papst, ohnehin ein schwacher Theologe, solch eine Unschärferelation in eine jahrhundertealte Lehre bringen?

Man möchte die aufgescheuchten konservativen Seelen beruhigen, ihnen zurufen, dass das Kirchenrecht nicht direkt aus den Worten Jesu ableitbar ist, dass es einmal eine Zeit gab, in der die Kirche eine völlig andere Gestalt hatte und deutlich weniger Energie darauf verwandte, die menschliche Sexualität in gut und böse zu rastern. Und dass manche(r) als besonders rein verehrte(r) Heilige(r) vielleicht doch ein so einseitiges Verständnis von Sexualität hatte, dass ihm ein bisschen Unschärfe und Barmherzigkeit à la Franziskus ganz gut getan hätte.

Aber man kommt gar nicht dazu, weil sich die Ereignisse überschlagen. Nur wenige Tage nach Geyers Frontalangriff in der FAZ präsentierte der Journalist Peter Seewald unter dem Titel »Letzte Gespräche« sein Interviewbuch mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. Darin lobt Benedikt seinen Nachfolger zwar über den grünen Klee. Aber wer den Subtext zwischen den Zeilen lesen kann, erkennt unschwer zwei andere Leitmotive: Es geht Benedikt darum, sein eigenes Pontifikat und seinen eigenen theologischen Ansatz aufzupolieren. Darüber hinaus will er noch einmal mit denen abrechnen, die theologisch anders denken und von denen er sich zeitlebens missverstanden und ungerecht behandelt fühlt. Ganz besonders im Visier hat

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