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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2016
Ein letztes Fest?
Der Protestantismus feiert die Reformation
Der Inhalt:

Ein paar Fragen an den Schöpfer

In Frankfurt bringt Regisseur Willy Praml die ganze Genesis auf die Bühne – und Theologen in Erklärungsnot

Irgendwann hält es den Philosophen Jörg Splett nicht mehr auf seinem Sitz. »Nein«, ruft er, »nein, so geht es einfach nicht.« Wie ein Schüler beim Pausengong springt der Achtzigjährige auf, greift sich einen Stift und verdeutlicht auf einer Tafel seine Interpretation der Abrahamsgeschichte, genauer gesagt: jener rätselhaften Stelle, an der Gott Abraham befiehlt, seinen Sohn zu opfern. Spletts Auftritt ist ein erster Weckruf in der anfangs eher zähen Diskussion zwischen Theologen und Theaterleuten im Frankfurter »Haus am Dom«. Aus Anlass der »Genesis«-Inszenierung im Theater Willy Praml hatte Stefan Scholz, Studienleiter für Kunst und Kultur, den Regisseur mit seinem Hauptdarsteller zu einem Gespräch mit Alttestamentlern, Pfarrern und Philosophen eingeladen. Bei der Abrahams-Darstellung wurde es zum ersten Mal kontrovers.

Die entscheidende Pointe dieser Geschichte, so Splett, bestehe in der Frage, ob Abraham Gott zutraue, aus Tod neues Leben zu erschaffen. Deshalb sei Abraham gerade nicht der »Vater des Gehorsams«, der sogar einen Mord rechtfertige. Man müsse diese Perikope mit Blick auf das Neue Testament verstehen. »Und deshalb, lieber Herr Regisseur, können Sie nicht Isaak als ein spielendes Kind mit einem Schäfchen inszenieren.« Alle Augen im Saal sind nun auf Willy Praml gerichtet, den Regisseur der vierstündigen Inszenierung, die mit der Erschaffung der Welt beginnt und bei Joseph in Ägypten ein bildgewaltiges Ende nimmt.

Praml, der aussieht, als könne er selbst die Rolle von Gottvater übernehmen, fährt sich durch sein weißes langes Haar. Dann sagt er, dass er den theologischen Scharfsinn des Professors schätze und mehr noch seine provozierenden Zuspitzungen. Aber er se