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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Glaube, Liebe, Currywurst

von Michael Schrom vom 05.07.2019
Ein Witz von Margot Käßmann, ein Eingeständnis von Nikolaus Schneider und eine düstere Prognose von Peter Dabrock

Zu Beginn ein Witz: Am jüngsten Tag treffen sich die drei amerikanischen Präsidenten George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump vor der Himmelstür und werden von Jesus gefragt, an was sie im Leben geglaubt haben. »Ich habe an die Freiheit geglaubt«, sagt Bush. »Okay, komm rein«, sagt Jesus. »Ich habe an Versöhnung geglaubt«, sagt Obama. »Okay, komm rein«, sagt Jesus. »Ich glaube, dass du auf meinem Stuhl sitzt«, sagt Trump.

Selbst bei einer Bibelarbeit über das Hiob-Buch schafft es Margot Käßmann, ihrem Publikum eine heitere Atempause zu gönnen. Das Lachen in der Halle ist noch nicht verklungen, als sie wieder grundsätzlich wird: »Nichts stellt die Macht der Mächtigen so sehr infrage wie das Aufrechthalten der Opfer.« Der leidende Gerechte enttarne den Zynismus der Mächtigen und triumphiere am Ende. Daher sei sie überzeugt, dass Donald Trump lächerlich daherkommen werde im Vergleich mit dem namenlosen Mann, der sich 1989 am Tiananmen-Platz den chinesischen Panzern entgegengestellt hat (Foto siehe Publik-Forum 11/19, S. 25). Das ist zwar nur eine fromme Hoffnung, aber die Frage, auf die Käßmann ihre Bibelarbeit zuspitzt, trifft ins Herz: »Kann erlittenes Leid je wiedergutgemacht werden?«, so wie dies im Hiob-Buch nahegelegt wird? Darüber werde man als Christin weiter nachdenken müssen, aber – so Käßmann jetzt wieder launig – »bis zum Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt bleiben ja noch zwei Jahre Zeit«.

Peinlich, aber entwaffnend ehrlich wirkt das Eingeständnis des ehemaligen Präses der evangelischen Kirche im Rheinland und des späteren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland,Nikolaus Schneider. Auf einem Podium zur sexualisierten Gewalt wird er gefragt, ob die evangelische Kirche nicht schon zu seiner Amtszeit, als die ersten Fälle in der katholischen Kirche publik wurden, hätte erkennen können, dass das Thema auch sie einholen wird. »Ja«, sagt Schneider. Es habe weitsichtige Leute gegeben, die schon damals kircheninterne Untersuchungen und eine eigene Anlaufstelle gefordert hätten. Die Mehrheit sei jedoch der Meinung gewesen, dies sei lediglich ein Problem der katholischen Kirche mit ihrer rigiden Sexualmoral. »Ein Podium wie heute wäre 2010 nicht möglich gewesen«, sagt Schneider. Im Übrigen sei

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