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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Das letzte Unberechenbare ist der Ball

von Viola Rüdele vom 05.07.2019
Fußballgott, christliche Fan-Clubs und Olympiapfarrer: Die Beziehung zwischen Sport und Religion ist schillernd

Vater unser im Himmel. Ich setze einen Fuß vor den anderen. Geheiligt werde dein Name. Ich versuche, meine Schritte dem Rhythmus der Worte anzupassen. Was beim Vortrag von Frank Hofmann zum spirituellen Laufen kurz zuvor noch einfach klang, bringt mich aus meiner gewohnten Laufroutine. Hofmann hat vorgeschlagen, das Vaterunser zu beten, während man läuft. Alternativ ginge auch singen, sagt er. So kann ich zwar einfacher den Rhythmus des Liedes meiner Schrittfrequenz anpassen. Aber beides zusammen fühlt sich seltsam an. Sind das nicht zwei unterschiedliche Bereiche?

Sport führt nicht direkt zur Religion, erklärt Hofmann. Er selbst war einst überzeugter Atheist, über das Laufen hat er allmählich einen Zugang zum Christentum gefunden (Publik-Forum 20/2015).

Während des Laufens verlagert das Gehirn seine Aktivität in andere Bereiche, außerdem schüttet der Körper Glückshormone aus. Läufer kommen so in einen »Flow«: Sie fühlen sich frei, kommen auf andere Gedanken, fühlen sich verbunden mit der Welt, werden eins mit der Natur. Gleichzeitig ist das eine Grenzerfahrung: Wie weit trägt mich mein Körper, wo endet meine Leistungsfähigkeit?

Selbsttranszendenz nennt der Soziologe Hans Joas solche Erfahrungen (Publik-Forum 12/2019). Diese sind dann offen für religiöse Deutungen – dass einem auf dem Weg Gott begegnet, dass Christ-Sein heißt In-Bewegung-Sein. Hofmann sieht diese Linie schon in der Bibel: das wandernde Gottesvolk, der Wanderprediger Jesus Christus und Paulus, der im Ersten Brief an die Korinther vom Wettlauf schreibt: »Wisst ihr nicht, dass alle im Stadion um die Wette laufen, aber nur eine oder einer die Siegesehrung bekommt? Lauft auch ihr so, dass ihr sie erringt.«

Gerade beim Wettkampfsport geht es um Leistung, Perfektion, Selbstoptimierung – vor allem im Profisport. Spitzensportler verlangen ihrem Körper alles ab: mehr als hundert Kilometer am Stück laufen, einen Speer fast hundert Meter weit werfen. Von außen betrachtet wirken solche Leistungen nahezu menschenunmöglich. Fans verklären daher die Erfolge ihrer Idole oft mit göttlichen Zuschreibungen. Sie nennen ihre Lieblingsspieler Fußballgötter und die Stadien Tempel.

In überspitzter Form machen das auch die Anhänger der Iglesia Maradoniana. Die Gruppe hat sich ihre »Religion«

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