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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Entschlossene

von Alexander Schwabe vom 05.07.2019
Carola Rackete ist Kapitänin der »Sea Watch 3«. Trotz Verbots legte sie mit dem Flüchtlingsboot im Hafen von Lampedusa an und wurde festgenommen

Sie ist 31 Jahre alt und navigiert ein Schiff. Sie ist 31 Jahre alt und setzt sich im Einsatz für Menschen, die in Lebensgefahr sind, über Gesetze hinweg. Sie ist 31 Jahre alt und riskiert, für Jahre hinter Gitter zu wandern.

Carola Rackete hatte zusammen mit ihrer Crew am 12. Juni 53 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet. Einige Kranke und Babys verließen nach und nach das Schiff, doch für vierzig Flüchtlinge gab es keinen sicheren Hafen. Als die Lage nach 17 Tagen auf See kritisch wurde, rief Rackete den Notstand aus, der Häfen eigentlich verpflichtet, Schiffe aufzunehmen. Ungeachtet einer Blockade und trotz des Verbots der italienischen Behörden lief sie Lampedusa an. Unbeirrt steuerte sie die Sea Watch 3 ans Quai und verdrängte ein Boot der Polizei, das sie am Anlegen hindern wollte. Nun droht ihr ein Prozess.

Für Italiens Innenminister Matteo Salvini ist Carola Rackete eine »Kriminelle«. Tagelang beschimpfte er sie als »Piratin«, »Verbrecherin«, »Komplizin von Schleppern« und als »Schnöselin« und »Nervensäge«. Von den Richtern verlangt er alle Härte gegen die sbruffoncella, die »kleine Göre«. Für viele andere ist sie eine Heldin, eine Frau mit Zivilcourage und Rückgrat. Dieses wird ihr nun von höchster Stelle gestärkt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kritisierte Italiens Regierung scharf: »Wer Menschenleben rettet, kann nicht Verbrecher sein.« Und Außenminister Heiko Maas twitterte: »Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden.« Kirchentagspräsident Hans Leyendecker rief zur »Solidarität der Anständigen« auf und sagte: »Wer die mutige Kapitänin Rackete festnehmen lässt, wer Helfer wie Carola Rackete verfolgt, erschlägt die Menschlichkeit.« Als Fernseh-Promis zu Spenden für die Sea-Watch-Kapitänin aufriefen, kamen binnen Stunden mehrere Hunderttausend Euro zusammen.

Carola Rackete wurde in Preetz bei Kiel geboren und wuchs in Hambühren, Niedersachsen, auf. Zuletzt studierte sie in Liverpool und machte einen Master-Abschluss in Nautik. Praktische Erfahrungen sammelte sie auf der Brücke des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise. Mit dem Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung war sie bereits zum Nordpol unterwegs. Ihr Vater, ein pensionierter Elektro-Ingenieur, ist stolz auf seine Tochter: »Sie hat das getan, was getan werden musste.« Sie

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