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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Menschenkette nach der Messe

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Bistum Augsburg: Der Widerstand gegen den Bischof wächst

Einen so selbstmitleidigen Hirtenbrief zur Fastenzeit haben die Gläubigen im traditionsreichen Bistum Augsburg wohl noch nie gehört. Der neue Bischof Konrad Zdarsa, gekommen aus dem Minibistum Görlitz an der Oder, schreibt: »Auf meinen ersten Hirtenbrief« – der die Ausrichtung der Gemeinden auf die Eucharistie und somit auf die Priester befürwortet – »habe ich viel Widerspruch bekommen. Die darauf folgenden Begegnungen bei verschiedenen Konferenzen und Dekanatstagen waren für mich alles andere als ein Spaziergang.«

Nun legt der erzkonservative Zdarsa nach. Der Ostdeutsche, der dem ehemaligen Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und früheren CSU-Kultusminister Hans Maier den Auftritt im Bildungshaus des Bistums untersagt, weil dieser Donum vitae unterstützt, stößt die Aktiven vor den Kopf, denn er will die Zahl der Gemeinden in der bayerisch-schwäbischen Diözese von 1001 auf rund 200 herunterkürzen. Und ob es in der hinfort zur Mobilität verdammten Autofahrerkirche noch die Pfarrgemeinderäte mitsamt ihren Rechten gibt? Zdarsa hat kein gutes Wort für die Pfarrgemeinderäte. Er setzt in den künftigen Mega-Gemeinden auf einen »Pastoralrat«. Der hat keine Rechte und soll »der Entlastung zugunsten einer wirksameren Wahrnehmung seelsorglicher Aufgaben dienen«.

Der Bischof begründet seine Rolle rückwärts mit mehr oder weniger entlegenen Sätzen, in denen etwa Johannes Paul II. den »Hunger nach der Eucharistie« meditierte. Dieser Hunger müsse lebendig bleiben, selbst wenn es kaum noch Zölibatspriester gibt und folglich immer weniger Messfeiern. Zwei Leitideen folgt Zdarsa: der Eucharistie als Allheilmittel und dem Priester. Um ihn soll sich die fromme Herde scharen. Dass dabei das Gewicht der Gemeinde sinkt, schert den Oberhirten nicht. »Die Kirche ist keine Demokratie«, verkündigt der 67-Jährige, wenn er auf den immer lauter werdenden Widerspruch des Kirchenvolkes stößt.

Zum Zeichen des Widerstandes bildeten vielerorts im Bistum Christen nach der Sonntagsmesse am 4. März Menschenketten. Sie umringten ihre bedrohten Ortskirchen. »Kirche umarmen« heißt die Aktion. Da rund sechzig Prozent der Bevölkerung im Bistum katholisch sind, ist der Sonntagskirchgang dort recht stark. Rund 350 Menschen hörten Zdarsas Kirchenschrumpf-Hirtenbrief am ersten Fastensonntag in Sankt Johan

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