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Ausstellung: Petrit Halilaj
Adam und Eva im Kosovo

Petrit Halilajs Kindheit war geprägt vom Krieg im Kosovo. Der queere Künstler versteht seine Werke als Gegenbilder zu Gewalt und Ausschluss.
von Anne Strotmann vom 25.02.2026
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(Foto: Petrit Halilaj, 2025 / © Jacopo La Forgia)
(Foto: Petrit Halilaj, 2025 / © Jacopo La Forgia)

Ausstellung. Seltsame Kreaturen bevölkern diese Ausstellung. Der Eingang wirkt wie ein überdimensionales Nest. In seinen Zweigen sitzen Wesen mit metallenen Vogelfüßen. Der Gang führt in die Fantasiewelt von Petrit Halilaj. 1986 wurde der Künstler im Kosovo geboren. Seine Kindheit war geprägt von Krieg, Flucht und kulturellem Verlust. All das ist auf poetische Art in seinen Werken präsent. Als Kind beneidete er Vögel, weil sie Grenzen überfliegen, heimisch werden, weiterziehen, zurückkehren. Heute sind sie in seinen Werken ein wiederkehrendes Motiv für Migration, Heimatsuche und Freiheit jenseits aller menschengezogenen Grenzen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 4/2026 vom 27.02.2026, Seite 55
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Nun zeigt der Hamburger Bahnhof in Berlin die Ausstellung »An Opera Out of Time« mit Skulpturen und Installationen aus verschiedenen Schaffensphasen. Im Mittelpunkt steht das erste Opernwerk des Künstlers. Es entstand gemeinsam mit der Kosovo-Philharmonie. Wie das klingt, ist auch in der Ausstellung zu hören.

Ausgangspunkt der Oper ist Syrigana, eine 3000 Jahre alte Siedlung im Kosovo. Vergangenheit, Mythos und Gegenwart überlagern sich dort, genauso wie in Halilajs Bühnenbildern und Kostümen. Die Oper greift eine lokale Legende auf, laut der Adam und Eva nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies in Syrigana ankommen und dort heiraten. Aus Adam und Eva wird bei Halilaj das queere Paar Fuchs und Hahn – hybride Wesen mit Menschenkörpern. Nach Vertreibung und Exil finden sie im Dorf ein neues Zuhause und gesellschaftliche Akzeptanz.

Halilaj wuchs als schwuler Junge in einem konservativen Umfeld auf. Die Wesen in der Ausstellung aber sind frei von gesellschaftlichen Zuschreibungen. Manche sind als Kostüme gestaltet, Kunst zum Hineinschlüpfen. Halilaj setzt sie in märchenhafte Räume, in denen vieles möglich ist. Er versteht seine Werke als »kollektive Träume«, als Gegenbilder zu einer Geschichte von Gewalt und Ausschluss. Sein Paradies ist etwas, das erst noch entstehen muss, durch Erinnerung, Fürsorge und gemeinsame Geschichten.

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