Kinotipp
Eine Meditation über Familienbande

Kino. Die Beziehung zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern ist komplex und oft geprägt von ungelösten Konflikten. In seinem Episodenfilm beleuchtet Independent-Regisseur Jim Jarmusch familiäre Dynamiken von ganz nah, jedoch ohne offenes Drama. In einer ruhigen Inszenierung macht er stattdessen die Spannungen zwischen den Generationen mittels ungelenker Dialoge und verzagten Schweigens spürbar. In der ersten Episode besucht ein gut situiertes Geschwisterpaar nach zwei Jahren seinen verwitweten Vater. Der lebt in einem verlotterten Haus im ländlichen New Jersey, ist scheinbar pleite und schon etwas verwirrt. In der zweiten empfängt eine erfolgreiche Autorin in Dublin ihre beiden Töchter, die beide noch nicht recht angekommen sind im Leben. Die formvollendete Teestunde entwickelt sich zur emotionalen Folter, bei der die Töchter den Fragen ihrer dominanten Mutter mit ausweichendem Geplapper begegnen. In der dritten Episode treffen sich Zwillingsgeschwister, nachdem ihre Eltern bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind. In deren leergeräumter Wohnung in Paris schwelgen sie in Erinnerungen und entdecken anhand kleiner Fundstücke neue Seiten ihrer Eltern. Wiederkehrende Motive, etwa Bemerkungen über Wasser, eine Rolex, die möglicherweise ein Imitat ist, Fotos und Oldtimer schaffen eine Verbindung zwischen den Geschichten. Der Film selbst ist ein Familientreffen von Jarmuschs Stammschauspielern wie Cate Blanchett, Adam Driver sowie Sänger Tom Waits in einem unerwartet spitzbübischen Auftritt. So melancholisch diese filmische Meditation über Familienbande auch daherkommt, ist sie doch voll heimlichen Humors. Denn schlimmer als eine Familie ist keine Familie.
Father Mother Sister Brother (F/Irland/USA 2025). Film von Jim Jarmusch, 111 Min. o. A.




