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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2019
Revolution
Die Welt ist in der Krise. Ein Umbruch ist nötig. Nur welcher?
Der Inhalt:

Nur noch kurz die Seele retten

von Andrea Teupke vom 11.01.2019
Selbstoptimierung oder Spiritualität: Kann Achtsamkeit die Welt verändern?

Nein, es gibt kein Entrinnen. Der kontemplative Imperativ »Sei achtsam!« ist in alle Lebensbereiche vorgedrungen. Manager und Musiker schwören auf die Kraft der Meditation ebenso wie Schauspielerinnen oder Scharfschützen. Zwanzig Minuten schweigendes Sitzen – und der Tag ist dein Freund: Diese Botschaft verbreiten Zeitschriften, Selbsthilfebücher und Youtube-Videos. Dem Buddhismus entlehnte Meditationstechniken gehören mittlerweile so selbstverständlich zu einem modernen Lebensstil wie Sport oder gesundes Essen. Doch selbst wenn anerkannte Hirnforscher und selbsternannte Heiler recht haben sollten mit ihrer These, dass Meditation die Gesundheit stärkt: War es wirklich das Anliegen des Buddha, gestresste Büromenschen vor dem Burnout zu bewahren? Darüber diskutierten Wissenschaftler, Ärzte und Psychotherapeuten Anfang Dezember auf einem Kongress in Berlin. Unter der Überschrift »Meditation zwischen Abgrund und Nirwana: Selbstoptimierung für eine bessere Welt?« wurde ein Bogen zwischen Sinnsuche und Transformation gespannt. Schon in der Begrüßungsansprache fiel die Frage, ob Achtsamkeit nicht mehr sein müsse als eine »Hohlraumversiegelung für säkulare Endverbraucher«.

Ganz ohne Grafiken von physiologischen Messdaten wie Kortisolwerten und Hirnströmen ging das nicht vonstatten. Und so konnten nach zwei Tagen vermutlich die meisten der rund 530 Besucher das Wort »Herzratenvariabilität« flüssig aussprechen: Die HRV, wie der neunsilbige Zungenbrecher abgekürzt wird, gibt an, wie stark sich der Rhythmus des Herzschlags verändert; dies gilt als Indikator für einen entspannten Zustand. Unter Stress, erläuterte Philipp Biswass, ein junger und sehr enthusiastischer Forscher aus Tübingen, ist die HRV niedrig: Das Herz schlägt in einem starren Takt – vergleichbar dem Gleichschritt marschierender Soldaten. In Ruhephasen, also in Pausen, nach der Arbeit oder im Schlaf, sollte die HRV zunehmen, der Rhythmus veränderlich werden. Ist der Stress jedoch chronisch geworden, gelingt dieses Umschalten nicht mehr; das Herz schlägt weiter im monotonen Marschrhythmus, obwohl die äußeren Anforderungen nachlassen.

Biswass hat in einer Studie mit Referendaren überprüft, wie sich ein Achtsamkeitstraining darauf auswirkt. Sein Ergebnis: Angehende Lehrer, die regelmäßig meditieren, weisen schon nach kurzer Zeit eine deutlich höhere HRV auf als Referendare, die lediglich Entspannungsübungen mac

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