Nur noch kurz die Seele retten
Nein, es gibt kein Entrinnen. Der kontemplative Imperativ »Sei achtsam!« ist in alle Lebensbereiche vorgedrungen. Manager und Musiker schwören auf die Kraft der Meditation ebenso wie Schauspielerinnen oder Scharfschützen. Zwanzig Minuten schweigendes Sitzen – und der Tag ist dein Freund: Diese Botschaft verbreiten Zeitschriften, Selbsthilfebücher und Youtube-Videos. Dem Buddhismus entlehnte Meditationstechniken gehören mittlerweile so selbstverständlich zu einem modernen Lebensstil wie Sport oder gesundes Essen. Doch selbst wenn anerkannte Hirnforscher und selbsternannte Heiler recht haben sollten mit ihrer These, dass Meditation die Gesundheit stärkt: War es wirklich das Anliegen des Buddha, gestresste Büromenschen vor dem Burnout zu bewahren? Darüber diskutierten Wissenschaftler, Ärzte und Psychotherapeuten Anfang Dezember auf einem Kongress in Berlin. Unter der Überschrift »Meditation zwischen Abgrund und Nirwana: Selbstoptimierung für eine bessere Welt?« wurde ein Bogen zwischen Sinnsuche und Transformation gespannt. Schon in der Begrüßungsansprache fiel die Frage, ob Achtsamkeit nicht mehr sein müsse als eine »Hohlraumversiegelung für säkulare Endverbraucher«.
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