Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

Ohne Arbeit kein Geld?

von Otto Geissler vom 08.08.2014
Wie christlich ist ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle? Ein Streit über Freiheit, Verantwortung und Sünde
Ein Besuch im Altenheim ist eine von vielen Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch oft wird nur die Arbeit gegen Entgelt als »richtige« Arbeit angesehen. (Foto: kzenon/gettyimages/thinkstock)
Ein Besuch im Altenheim ist eine von vielen Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch oft wird nur die Arbeit gegen Entgelt als »richtige« Arbeit angesehen. (Foto: kzenon/gettyimages/thinkstock)

Ohne Leistung keine Gegenleistung. Ohne Arbeit kein Geld. So heißt es oft. Und als Gewährsmann dafür wird gerne der Apostel Paulus zitiert. Schließlich hat der schon an die junge Gemeinde in Thessaloniki geschrieben: »Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.« Doch taugt dieser Vers als Argument gegen das bedingungslose Grundeinkommen? Schwerlich, denn wer es so verwendet, reißt es völlig aus seinem Kontext. Paulus hatte keine Debatte über das Grundeinkommen vor Augen. Er wollte die damals noch junge christliche Gemeinde dazu ermuntern, das Überleben der Gemeinschaft durch Arbeit zu sichern und nicht untätig auf die Wiederkehr des Herrn zu warten. Im Vergleich zu unserer heutigen Gesellschaft waren die damaligen Menschen unbedingt auf die Mitarbeit aller angewiesen.

Kritiker des Grundeinkommens verstehen den Vers gerne wörtlich. Dann wird aus »›wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen‹, schnell: ›wer nicht arbeitet, soll auch keinen Anspruch auf staatliche Leistungen haben‹«, sagt Birgit Zenker, die ehemalige Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), die auch dem Netzwerk Grundeinkommen angehört.

Für sie und eine Reihe anderer Theologen ist das Konzept »Gerechtigkeit« in der Bibel wichtiger als das Prinzip »Leistung«. Deshalb streitet die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung für ein bedingungsloses Grundeinkommen, auf das jeder Mensch ein Recht habe, ohne Prüfung der Bedürftigkeit und ohne Zwang zur Arbeit.

Doch die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen hat in den Kirchen einen schweren Stand. Für Kardinal Reinhard Marx »soll der Staat eben nicht ein Wohlfahrtsstaat im dem Sinne se

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen