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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2017
Was ist eine christliche Ehe?
Ein evangelisch-katholischer Disput
Der Inhalt:

NSU-Prozess: Gerechtigkeit für Opfer?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.08.2017
Der NSU-Prozess geht in die Endphase. Was bringt er den Hinterbliebenen? Fragen an den Opferanwalt und Nebenkläger Mehmet Daimagüler
Opferanwalt Mehmet Daimagüler über den zu Ende gehenden NSU-Prozess, der der Aufdeckung der Wahrheit nicht wirklich näher kam: »Ich bin manchmal wütender als meine Mandanten.« (Foto: pa/dpa/Galuschka)
Opferanwalt Mehmet Daimagüler über den zu Ende gehenden NSU-Prozess, der der Aufdeckung der Wahrheit nicht wirklich näher kam: »Ich bin manchmal wütender als meine Mandanten.« (Foto: pa/dpa/Galuschka)

Publik-Forum: Herr Daimagüler, wie haben die von Ihnen vertretenen Angehörigen den NSU-Prozess erlebt und erlitten?

Mehmet Daimagüler: Da ist viel Traurigkeit im Spiel. Eine harte Bestrafung der Täter stand für meine Mandanten nie im Vordergrund. Sie wollten wissen: Warum ausgerechnet unsere Familie? Warum hat der Staat uns nicht geschützt, sondern sogar noch verdächtigt? Es war ein Hoffen und Bangen. Die Hoffnung, dass sie am Ende verstehen, warum der Vater oder Bruder sterben musste. Und das Bangen, dass ebendiese Frage nicht beantwortet wird. Darauf läuft es momentan hinaus.

Wurde der Gerechtigkeit Genüge getan?

Daimagüler: Gerechtigkeit ist ein großes Wort. Wenn es Gerechtigkeit gäbe, wären die Menschen nicht gestorben. Aber es macht einen großen Unterschied, ob der Staat alles tut, um das Geschehene aufzuarbeiten, und trotzdem am Ende an einigen Punkten scheitert – oder ob man sich in einem Staat wiederfindet, der scheitert, ohne eine gründliche Aufarbeitung ernsthaft versucht zu haben.

Ist im NSU-Prozess Letzteres der Fall?

Daimagüler: Wir haben einen sehr widersprüchlichen Staat erlebt. Einerseits war da viel Mitgefühl. Die Rede von Bundeskanzlerin Merkel anlässlich der Trauerfeier 2012 war bewegend und ein gutes Beispiel. Andererseits haben wir auch das Gegenteil beobachtet: Da wurden vom Verfassungsschutz Akten geschreddert, Zeugen nicht benannt, und im Gerichtssaal saßen Neonazi-Zeugen, die mit Anwälten auftraten, die vom Verfassungsschutz bezahlt werden. Zynisch könnte man sagen, es ist schon ein Fortschritt, dass der Hessische Verfassu

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