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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2019
Auf der Kippe
Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?
Der Inhalt:
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Die Neuerfindung Amerikas

von Nettie Hendricks vom 07.06.2019
Schockiert von der Amtsführung Donald Trumps, formiert sich der zivile Widerstand in den USA. Bürgerrechtler, Waffengegner, Umweltschützer setzen den Kongress in Washington unter Druck
»Ich will mein Land zurück«: Demonstration vor dem Obersten Gerichtshof in Washington. Zahlreiche Gruppen organisieren in den USA den zivilen Widerstand gegen Trumps Politik. (Foto: imago/UPI Photo)
»Ich will mein Land zurück«: Demonstration vor dem Obersten Gerichtshof in Washington. Zahlreiche Gruppen organisieren in den USA den zivilen Widerstand gegen Trumps Politik. (Foto: imago/UPI Photo)

Ausgerechnet im Cowboy-Staat Wyoming erschienen im April 2017 gestandene Mannsbilder mehrere Tage lang in einer ungewöhnlichen Aufmachung bei der Arbeit, in der Kirche, im Unterricht und abends in den Bars: Sie hatten sich in farbenfrohen Ballettkostümen herausgeputzt. Damit schlossen sie sich einem Solidaritätsaufruf in sozialen Netzwerken für schwule Mitbürger an unter dem Hashtag #LiveAndLetTutu. Der Hashtag, zu Deutsch: »leben und Tutu lassen«, greift das Motto Wyomings auf, »live and let live«, »leben und leben lassen«. Hintergrund war eine diskriminierende Bemerkung des Senators von Wyoming über einen Mann, der gern im Tutu ausgeht und wiederholt verprügelt wurde.

Verglichen mit anderen Protesten seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang 2017 war diese Aktion zwar eher klein, doch #LiveAndTutu steht exemplarisch für den spielerischen und geradezu kunsthandwerklichen Widerstand gegen den Kulturwandel in der US-Politik. In der Stadt Laramie in Wyoming bot eine Gruppe sogar einen Workshop an, in dem man lernen konnte, sich einen jener Tüllröcke zu schneidern. Die Vielfalt selbstgemachter Schilder und Gegenstände, die bei Protesten gezeigt werden, scheint grenzenlos. Ebenso Aktionen auf Instagram, die Regierungsmitgliedern klar machen sollen, dass man sich mit benachteiligten Gruppen solidarisch zeigt.

Die Widerstandsbewegung, die sich gleich nach der Wahl Trumps formierte, spricht anders als die Bürgerrechtsproteste und Friedensmärsche der 1960er-Jahre nicht nur politisch denkende Bürger an. Heute gehen viel breitere Bevölkerungsschichten auf die Straße oder schreiben an ihre Volksvertreter. Auf einmal gilt es als normale, alltägliche Beschäftigung, ja als Bürgerpflicht, Rechensch

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