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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2019
Auf der Kippe
Welche Zukunft hat die evangelische Kirche?
Der Inhalt:

Auf dem Holzweg

Der »Synodale Weg« ist nur sinnvoll, wenn er ein Ziel vor Augen hat

Es war in letzter Minute, kurz vor Schluss der Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischöfe, als deren Vorsitzender, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, seine teils widerstrebenden Amtsbrüder argumentativ in den Schwitzkasten nahm und einem nach dem anderen ein gequältes Ja abnötigte. So sieht sie also aus – die »einstimmige« bischöfliche Zustimmung zum »Synodalen Weg«. Jetzt steht Marx unter Druck. Die Gefahr, dass die Bischöfe wieder nur ein folgenloses, unverbindliches Geplaudere unter Kirchenfachleuten inszenieren, so wie sie dies im »Dialogprozess« von 2011 bis 2015 getan haben, ist nicht von der Hand zu weisen.

Was soll ein »synodaler Weg« sein und wohin soll er führen? Selbst Kirchenrechtsprofessoren sind sich nicht einig, ob diese nebulöse Bild-Wortschöpfung irgendeine Verbindlichkeit enthält. Misstrauen ist angebracht. Zwar ist es erfreulich, dass die Laien und ihre Vertretung, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Bereitschaft zum Mitmachen bekundet haben. Das ändert aber nichts daran, dass Beschlüsse von etlichen ähnlichen Versammlungen einfach nicht beachtet wurden. Man hat den Eindruck, sie dienten nur dazu, das Kirchenvolk zu beruhigen, in der Hoffnung, Probleme aussitzen zu können. Anders formuliert: die Bischöfe haben gemogelt. Sie gaben keinerlei Macht ab und ignorierten den vielbeschworenen »Glaubenssinn des Gottesvolkes«. Die Nachdenklichen unter ihnen geben das zu, freilich nur hinter vorgehaltener Hand. Derweil beginnt das Spielchen von Neuem. Liberalisierung habe noch nie zu einem substanziellen Wachstum im Glauben geführt, behauptet der Passauer Bischof Stefan Oster. Wie soll es unter diesem Verdacht ein offenes Gespräch geben, das zu einem echten Kulturwandel