Winfried Kretschmann

Winfried Kretschmann, drei Legislaturperioden lang Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Katholik (einst aus- dann mit Überzeugung wieder eingetreten), schätzt die Rolle der Kirchen und des Glaubens für die Gesellschaft immer noch sehr hoch ein, und zwar auf einer sehr grundsätzlichen Ebene. Die »ganz großen Metaphern« biblischer Rede – zum Beispiel Vertreibung aus dem Paradies, Arche Noah, David und Goliat – seien »einfach Bestandteil unserer Kultur«, sagte Kretschmann bei einem seiner Abschieds-Auftritte in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Christlicher Glaube »erzählt uns von Schöpfung, von Menschwerdung, vom ewigen Leben, von der Verantwortung für die Welt, für die Menschen, für die Zukunft. Er erzählt uns von Nächsten- und Feindesliebe, also von Empathie und Respekt. Er erzählt uns von Umkehr und Vergebung, also von Neuanfang und Toleranz. All das verleiht dem Zusammenleben eine grundsätzliche Dimension, eine Dimension von Kultur, von Humanität und von Transzendenz.«
Gerade in Umbruchszeiten wie heute könnten die Kirchen ihre Stärke ausspielen, sagte Kretschmann, »denn Umbrüche müssen den Kirchen keine Angst machen, weil Veränderung, Wandel, Reform zu ihrem Wesenskern gehören: Ecclesia semper reformanda.« Kirchen würden auch in immer säkulareren Gesellschaften als Begleiter gebraucht – »mit einem klaren Kompass an Grundwerten und Grundüberzeugungen, mit der Verbindung von Lebensklugheit und konstruktiver Kritik, als Anwälte für Freiheit und Demokratie, für Gleichheit und für Rechte, für Toleranz und für Frieden.« Er sei sich sicher, so Kretschmann, wenn die Kirchen das berücksichtigten, wenn sie authentisch blieben und ihre Werte selbst lebten, »können sie uns auch eine gute Zukunft versprechen«.




Personen und Konflikte