Soll man Organspender werden?
Peter Fricke: »Ja, denn das schenkt neues Leben«
»Man sollte sich zur Organspende bereit erklären, denn jeder kann jederzeit Organempfänger werden. Ich selbst bin im Alter von 35 Jahren durch eine verschleppte Virusinfektion in die Situation gekommen, bei meiner Tochter war die Geburt ihres Sohnes der Auslöser. Da war sie gerade zwanzig Jahre alt. Jeder, der zu seiner eigenen Rettung »Ja« zur Organtransplantation sagen würde, sollte auch »Ja« auf dem Organspendeausweis auskreuzen.
Dass im Dezember 2014 eine Organentnahme in Bremerhaven abgebrochen wurde, weil die Dokumentation des Hirntods unvollständig war, sehe ich positiv. Das Beispiel zeigt doch, dass die Kontrollmechanismen funktionieren. Auf den Papieren hatte ein Kreuzchen gefehlt. Das ist aufgefallen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation war wie in jede Entnahme involviert und hat ihre Wächteraufgabe ordentlich erledigt. So soll es sein.
Seit die Organspende 2012 gesetzlich neu geregelt wurde, hat sich vieles verbessert. Wir haben in Deutschland eines der sichersten Transplantationsgesetze weltweit. Und insbesondere an den großen Unfallkliniken, die am häufigsten mit Hirntoten zu tun haben, hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt: Hirntote werden dort sorgfältig gepflegt, die Angehörigen intensiv betreut, es wird ihnen Zeit und Raum für die Entscheidung und für den Abschied gelassen. Davon habe ich mich überzeugen können. Und Angehörige von Spendern sagen mir: Es ist ein Trost zu wissen, dass mein Mann irgendwie weiterlebt – durch die Organe, die er gespendet hat. Ich kenne die Ängste derjenigen, die auf ein Spenderorgan warten: »Erlebe ich noch die Einschulung meiner Tochter?« Deshalb meine ich: Jeder sollte Organspender sein. Wir haben viel zu wenige Spenderorgane.«
Gisela Meier zu Biesen: »Nein, der Zweck heiligt keine Mittel«
»Leben retten möchten wir alle. Deshalb sagen viele: »Wenn ich tot bin, kann man meine Organe haben.« Irrtum, der Hirntod als Tod ist lediglich eine juristische Definition, um straffrei Organe entnehmen zu können, was erst zum Tod führt. Wir haben es schmerzlich beim Sterben unseres Sohnes erlebt.
Ein sogenannter Hirntoter wird »vitalkonserviert«. Ob er nichts mehr spürt und wahrnimmt, ist unbewiesen. 24 Stunden vor der Hirntod-Diagnose werden alle Schmerzmittel abgesetzt – und das bei einem schwerverletzten Menschen! Schmerz-, auch Narkosemittel werden später aber bei der Organentnahme verabreicht! Bei diesem Eingriff wird dem Todgeweihten bei schlagendem Herzen der Leib von oben bis unten aufgesägt und aufgeschnitten. Bis zu sechs Chirurgenteams operieren ihn nach und nach »leer«. Das ist Töten.
Das Verschweigen dieser Prozeduren ist eine Irreführung, ebenso der Begriff »Spende«. Die ist per se freiwillig. Man kann nicht stellvertretend die Zustimmung dazu geben. Doch neun von zehn »Organspendern« werden durch die Entscheidung ihrer Angehörigen zu »Spendern« gemacht. Will man seiner Familie diese Entscheidung abnehmen, indem man »Ja« auf dem Organspendeausweis ankreuzt, sollte man sich fragen, ob man so im Operationssaal sterben möchte.
Angehörige sind oft mit der schlimmsten Nachricht ihres Lebens konfrontiert. In ihrem Schock wird ihnen suggeriert, dass sie die unerträgliche Situation beenden könnten, wenn sie dem »sinnlosen Sterben« durch das »Freigeben« des Patienten einen Sinn verleihen. Anstatt sie zu schützen, wird ihnen von der Gesellschaft die Schuld am Tod anderer aufgebürdet. Dabei wird ihnen die kostbarste Begleitung bis zuletzt geraubt. Es melden sich bei uns verzweifelte Angehörige, weil sie sich betrogen fühlen.«
Gisela Meier zu Biesen, geboren 1940, hat den Verein KAO – Kritische Aufklärung über Organtransplantation, mitgegründet. 1991 verunglückte ihr Sohn Lorenz.
