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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

Erbschaften höher besteuern?

von Thomas Gesterkamp vom 13.03.2015
NachgefragtFragen an Juliane Friedrichs, die die gesellschaftlichen und persönlichen Folgen der Erbschaftswelle erforscht

Publik-Forum: Welche Summen werden pro Jahr in Deutschland vererbt?

Juliane Friedrichs: In Deutschland – wo das Statistische Jahrbuch zuletzt zweieinhalb Kilo wog – weiß niemand ganz genau, wie viele Milliarden im Jahr vererbt werden. Das liegt daran, dass es zwar über die Armen sehr genaue Daten gibt, aber über die Reichen kaum. Nach der Durchsicht aller verfügbaren Studien gehe ich davon aus, dass hier pro Jahr etwa 250 Milliarden Euro vererbt werden. Rund drei Billionen in zehn Jahren. Eine gewaltige Summe.

Vermögenden wird nachgesagt, sie scheuten die Öffentlichkeit. War es schwierig, Gesprächspartner zu finden?

Friedrichs: Extrem schwierig. Ich habe Anfrage um Anfrage rausgeschickt und Absage um Absage zurückbekommen. Vor allem die ganz reichen Erben, die Nachkommen großer Unternehmer, haben sich fast vollkommen verweigert. Umso dankbarer bin ich denen, die trotzdem geredet haben – der Sohn eines Düsseldorfer Firmenchefs und ein Nachkomme des Neckermann-Clans zum Beispiel.

Woher kommt das Geld?

Friedrichs: In Westdeutschland konnten die Nachkriegsgenerationen enormen Wohlstand aufbauen. Die Wirtschaft wuchs, zeitweise waren die Zinsen sehr hoch. Da ist aus manchen guten, aber nicht spektakulären Akademikerlaufbahnen ein Vermögen erwachsen, das nun an die Kinder weitergereicht wird – oft zu Lebzeiten.

Wie gehen die Erben mit dem Geld um?

Friedrichs: Ich habe Erben gesprochen, die mit dem Geld Probleme hatten. Sie sahen, dass das Vermögen ihrer Eltern ihnen Immobilien verschaffte, ein Einkommen, ein Sicherheitsnetz. Und viele sagten: »Wir sind froh, dass das Geld da ist, aber wir hätten unser Leben lieber selbst aufgebaut.«

Lähmen Erben die Volkswirtschaft?

Friedrichs: Tendenziell ja. Ökonomen befürchten, dass eine Erbengesellschaft eher eine undynamische und unproduktive sein wird. Denn offenbar kümmern sich Menschen, die ein Vermögen ererbt haben, vor allem darum, wie sie es erhalten können. Sie haben Angst, es zu verlieren. Sie sind nicht in dem Maße produktiv tätig wie jemand, der das Geld selbst verdient.

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