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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2020
Mission impossible
Kolonialismus und Rassismus in christlichem Gewand
Der Inhalt:

Rassismus: Jetzt nicht ausweichen!

von Anne Strotmann vom 10.06.2020
Niemand will rassistisch sein. Die meisten Menschen meinen es gut. Als Weiße finden wir Rassismus falsch, Nazis doof und Polizeigewalt schlimm. Leider reicht das nicht. Ein Plädoyer dafür, sich als Weißer Mensch öfter mal unwohl zu fühlen
Weltweiter Aufschrei gegen Rassismus: Dieses Graffiti in Berlin erinnert an den US-Bürger George Floyd, der durch Polizeigewalt starb. (Foto: pa/Hosbas / Anadolu Agency)
Weltweiter Aufschrei gegen Rassismus: Dieses Graffiti in Berlin erinnert an den US-Bürger George Floyd, der durch Polizeigewalt starb. (Foto: pa/Hosbas / Anadolu Agency)

Fast neun Minuten lang flehte George Floyd die auf ihm knieenden Polizisten an, ihn atmen zu lassen. Die Szene geht mir nicht aus dem Kopf, sie ist kaum zu ertragen, aber es sind nicht meine Empfindungen, die ich thematisieren will. Als Weiße kann ich das Video, die Bilder, die Artikel dazu wegklicken und dem Unangenehmen ausweichen. Schwarze Menschen können das nicht. Für sie sind Rassismus und seine potenziell lebensbedrohlichen Folgen tägliche Realität. Viele schrieben, sie könnten diese Bilder nicht ansehen. Sie führen brutal entwürdigend vor Augen, dass der eigene Körper einer lebensbedrohlichen Hierarchisierung ausgeliefert ist und das letztlich schutzlos – mitten am Tag, unter Zeugen, durch die Exekutive eines Staates, der seine Bürger schützen sollte.

Der Aufschrei, der folgte, ist berechtigt, und er ist überfällig. Jetzt skandieren Menschen in mehr als fünfzig Ländern inmitten einer Pandemie zu Zehntausenden: Black Lives Matter. Das könnte den Beginn einer Umkehr markieren, einer schmerzhaften und langen, aber ein Anfang wäre gemacht.

Doch George Floyd war noch nicht beerdigt, da verschob sich die Debatte schon, weg vom unangenehmen Rassismus: Demonstrieren, hieß es, sei ja okay, aber Ausschreitungen und brennende Gebäude delegitimierten die ganze Bewegung. Wie lange noch, wie leise und zurückhaltend, sollten Schwarze und ihre Verbündeten denn demonstrieren? Gefälligst so, dass sich die Mehrheitsgesellschaft davon nicht gestört fühlt? Als Nächstes hieß es, alle Leben seien doch wohl wichtig, nicht nur die der Schwarzen. Unnötig zu sagen, dass auch niemand etwas anderes behauptet hat, der überflüssige Hinweis aber das jetzt akute Anliegen relativiert. Genauso wie der Einwand: »Nicht alle Polizi

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