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Hans Küng

Zum fünften Todestag des Tübinger Rebellen streiten Theologen um dessen Rehabilitierung – und vergessen, was Papst Franziskus längst gesagt hat.
vom 06.04.2026
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Professor Hans Küng (Foto: IMAGO/Mathias Marx)
Professor Hans Küng (Foto: IMAGO/Mathias Marx)

Hans Küng, gestorben heute vor fünf Jahren, soll vom Vatikan rehabilitiert werden! Nein, auf keinen Fall! So streiten zwei renommierte Theologen: Wolfgang Beinert (pro) und Jan-Heiner Tück (contra). Beinert schreibt in der Herder-Korrespondenz, Küng habe mit seinem moralischen Universalismus (Stichwort: Ethik der Weltreligionen) die vom »Wesen der Kirche geforderte Katholizität, eine inklusivistisch-universalistische Zuwendung zur Welt«, vertreten und die Kirche damit aus einer »nie dagewesenen Nabelschau« befreit, in welche sie sich durch die von Küng (»Unfehlbarkeit?«) kritisierte Kirchen- und Papst-Überhöhung des Ersten Vatikanischen Konzils gebracht habe. »Und wer anders kann heute noch die moralische Grundlage für eine humane Welt anbieten als die weltumspannenden Religionen?«, fragt Beinert. Küng sei geradezu ein »Prophet« der Katholizität gewesen.

Jan-Heiner Tück hingegen lehnt Küngs Rehabilitierung genau in jener Binnenperspektive ab, die Beinert aufbrechen wollte. Hat Beinert geschrieben, das Erste Vatikanische Konzil und das damals beschlossene Unfehlbarkeitsdogma seien bis heute mitverantwortlich für die »desolate Lage der Kirche«, schreibt Tück auf der Plattform Communio, es »käme einer päpstlichen Selbstdemontage gleich«, es wäre ein »Akt der Illoyalität« gegenüber früheren Päpsten, wenn Leo XIV. »die Unfehlbarkeitskritik Küngs ohne Vorbehalte unterschriebe«. Gegen Küngs Rehabilitierung sprechen laut Tück auch dessen »Reformforderungen, die neben einer Revision der kirchlichen Sexualmoral auch die Aufhebung des Pflichtzölibats und des Verbots der Frauenordination anmahnten.« Küng habe ferner eine »Demokratisierung der Kirche« gefordert.

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Kurz und gut: in diesem Pro und Contra redet Tück an Beinert vorbei. Währenddessen ist die Rehabilitation, die Papst Franziskus dem Tübinger Theologen kurz vor dessen Tod hat zuteil werden lassen, folgenlos geblieben und vergessen. Ein formeller kirchenrechtlicher Akt war das zwar nicht – in der Sache aber mehr als das. Auf Nachfrage von Kardinal Walter Kasper damals, ob es für den schwerkranken Küng nicht »ein Zeichen der Versöhnung« geben könnte, sagte Franziskus zur ausdrücklichen Weiterleitung nach Tübingen: »Ich grüße und umarme ihn [Küng]; ich schicke ihm in der christlichen Gemeinschaft den Segen und bete für ihn.«

Für »Gemeinschaft« gebrauchte Franziskus gleich zweimal das Wort »comunione« – und das bedeutet (im lateinischen Original »communio«) nicht einfach »Nähe« oder »Verbundenheit«, sondern viel mehr: Es ist der terminus technicus für die Einheit und den Zusammenhalt, für das Wesen der Kirche. Küng bekam von Papst Franziskus damit ausdrücklich bestätigt, dass er Teil dieser Kirche war. Es war die höchste Auszeichnung – für einen Rebellen und einen großen, einen Welt-Theologen, der vielen, die an der realen Kirche verzweifeln, eine hoffnungsfrohe Heimat im Glauben gegeben hat.

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