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Die Burka verbieten?

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat jüngst das Verbot der Vollverschleierung in Frankreich bestätigt. Eine junge Muslima hatte dagegen geklagt, weil sie sich diskriminiert fühlte. Ist das Verbot des Gesichtsschleiers berechtigt? Ein Pro- und Contra von Eva Baumann-Lerch und Britta Baas – und Thema unserer aktuellen Umfrage
von Eva Baumann-Lerch , Britta Baas vom 11.07.2014
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Die Burka verbieten? Eva Baumann-Lerch (links) sagt: "Ja! Denn der Gesichtsschleier ist ein Gefängnis." Britta Baas (rechts) sagt: "Nein! Dieses Verbot ist frauenfeindlich."
Die Burka verbieten? Eva Baumann-Lerch (links) sagt: "Ja! Denn der Gesichtsschleier ist ein Gefängnis." Britta Baas (rechts) sagt: "Nein! Dieses Verbot ist frauenfeindlich."

Eva Baumann-Lerch: »Ja, denn die Burka ist ein Gefängnis«

»Die Burka ist ein Gefängnis aus Stoff. Frauen, die in so einem Ganzkörperschleier stecken, haben keine Identität und kein Gesicht und sind deshalb von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. Ohne Mimik und Blickkontakt bleibt ihre Kommunikation schwer eingeschränkt, sie nehmen die Welt nur durch ein Gitter wahr. Deshalb ist es richtig, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Verbot der Burka bestätigt hat.

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Die Totalverschleierung eröffnet fundamentalistischen Männern, die ihre Frauen von der Welt isolieren wollen, Tür und Tor. Wenn aber Menschen in ihrer Freiheit behindert werden, darf eine demokratische Gesellschaft das nicht hinnehmen – auch nicht aus Rücksicht auf religiöse Motive. Ähnlich wie bei Kindern, die in Sekten mit Verweis auf die Bibel verprügelt werden, muss ein freiheitlicher Staat einschreiten, wenn elementare Rechte von Frauen beschnitten werden. Das gilt auch dann, wenn die Betroffenen sich selbst mit der Beschränkung arrangiert oder identifiziert haben.

Das Burkaverbot ist aber auch für die Gesellschaft wichtig. Eine Demokratie gründet auf der Kommunikation ihrer Mitglieder, sie ist existenziell angewiesen auf den Austausch von Angesicht zu Angesicht. Gute Nachbarschaften, lebendige Dorf- und Stadtgemeinschaften, vertrauensvolle Räume können nur dort entstehen, wo alle Beteiligten ein Gesicht haben. In einer Welt, wo nicht nur Frauen in Burkas, sondern auch andere Gruppen – etwa Rechtsradikale oder Hooligans – vermummt durch die Gegend laufen, will niemand leben.

So wie eine muslimische Kultur, etwa in Nordafrika, zu Recht von westlichen Besucherinnen erwartet, dass sie ihr Empfinden nicht mit Spaghettiträgern und Hotpants verletzen, kann Europa von Zuwanderinnen erwarten, dass sie den Schleier aus dem Gesicht nehmen.«

Britta Baas: »Nein, dieses Verbot ist frauenfeindlich«

»Wir bilden uns viel ein auf unsere zivilisierte westliche Welt. Bei uns sind Frauen emanzipiert, Männer kultiviert, und allesamt sind wir enorm tolerant. Jeder kann nach seiner Façon selig werden, nur darf er dabei nicht die anderen stören. Dieses Selbstbestimmungsrecht ist uns heilig.

Unsere Toleranz kommt freilich an Grenzen. Wir halten Männer mit langen Bärten aus, Priester in weit schwingenden, bunten Gewändern und seltsamen Käppchen auf dem Kopf. Wir finden es auch in Ordnung, öffentlich viel nackte Haut zu zeigen. Nur eines können wir offenbar nicht akzeptieren: dass es in Westeuropa wenige Hundert Frauen gibt, die mit Burka auf die Straße gehen.

Dass das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben auf Frankreichs Straßen nicht für vollverschleierte Frauen gilt, müsste uns Europäer eigentlich zutiefst beschämen. Burka-Trägerinnen, die vor die Tür gehen, müssen mit Geldstrafen rechnen – und im Wiederholungsfall mit mehrmonatiger Haft. Es ist eine Schleier-Haft, in die sie genommen werden. Die laizistische Gesellschaft Frankreichs entledigt sich auf diese Weise des Fremden und Provozierenden, das von Burka-Trägerinnen ausgeht. Und auch wenn der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Burka-Verbot nun bestätigt hat, ist dieses Verbot ein Akt staatlicher Gewalt, der niemandem hilft. Denn die erzwungene Entschleierung kann und wird als eine Verletzung von Frauenrechten interpretiert werden. Sie ruft Widerstand hervor – nicht das Ende der Burka.

Frauen, die dieses Kleidungsstück freiwillig tragen, werden es nur wegen des Verbots nicht zu hassen beginnen. Frauen, die unter die Burka gezwungen werden, bleiben nun in ihre Wohnungen eingesperrt. Und alle anderen sind die Provokation nicht deshalb los, weil sie hinter dicke Wände verbannt ist. Sie ist uns nur aus den Augen.«

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Personalaudioinformationstext:   Eva Baumann-Lerch, geboren 1957, ist Redakteurin im Ressort »Leben und Kultur« von Publik-Forum.
Britta Baas, geboren 1965, ist Redakteurin im Ressort »Religion und Kirchen« und verantwortliche Redakteurin für Publik-Forum.de
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Schlagwort: Frauenrechte
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