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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

Aufgefallen: Spaziergang für die Freiheit

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.07.2014
Sie sind ein ungleiches Paar: Der 82-jährige Kardinal Joseph Zen und der 17-jährige Schüler Joshua Wong streiten für mehr Demokratie in Hongkong

Mit einem weißen T-Shirt, einer großen Kreuzkette um den Hals und Flyern in der Hand zog der 82-jährige Kardinal Joseph Zen in den vergangenen Wochen durch Hongkong. Von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends. Bei 33°C und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu achtzig Prozent. »Spaziergang« nennt er das und lacht.

Wenige Straßen weiter stand Joshua Wong. Der 17-Jährige ist ein schmächtiger Junge mit einer schwarzen Brille und dunklen Haaren, die am Hinterkopf ein bisschen strubbelig sind. Er mag kindlich aussehen, aber wenn er spricht, wirkt Joshua plötzlich erwachsen.

Die beiden Aktivisten kämpfen friedlich für mehr Demokratie in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Sie haben dazu aufgerufen, an einem inoffiziellen Referendum teilzunehmen, um den Gouverneur der Stadt zukünftig frei wählen zu dürfen. Bisher entscheidet die Führung in Peking, wer als Kandidat für dieses Amt zugelassen wird.

Kardinal Zen ist ein unbequemer Mann – auch wenn er gar nicht so wirkt. Wenn er lacht, strahlt er übers ganze Gesicht, und unzählige kleine Lachfältchen bilden sich um seine Augen. Weiße Haare umrahmen ein fröhliches Gesicht, das trotz seines hohen Alters kaum Falten aufweist. Der chinesischen Regierung ist Zen schon lange ein Dorn im Auge. Seine Ernennung zum Kardinal sah sie als »feindlichen Akt des Vatikans«.

Joshua Wong stammt aus einer christlichen Familie und ist schon 2012 als Rebell aufgefallen. Damals kämpfte er gegen einen geplanten Moralkunde-Unterricht, den die chinesische Regierung durchsetzen wollte. Heute leitet er den Schülerverein »Scholarism« für junge Aktivisten. Für viele ist er ein Vorbild. Wer Joshua bei Facebook eine Freundschaftsanfrage schickt, erhält die Nachricht: »Diese Person hat die maximale Anzahl von Freundschaftsanfragen erhalten und kann keine mehr annehmen.«

Kardinal Zen ist in Schanghai geboren. Er kam als 16-Jähriger nach Hongkong und trat dem Orden der Salesianer bei. Später studierte er in Italien Theologie und Philosophie. Bis 2009 war Zen Weihbischof in Hongkong. Seit Langem prangert er insbesondere die Religionspolitik Chinas an. 2011 trat er sogar in den Hungerstreik.

Ob Joshua Wong wird studieren können, weiß er noch nicht. Kürzlich fanden die Aufnahmeprüfungen für die Hochschule statt. Joshua aber war zuletzt mehr damit

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