Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Grundrechte für Menschenaffen?

vom 18.06.2014
Das »Great Ape Project« fordert, Menschenaffen Grundrechte zuzuerkennen: das Recht auf Leben, auf Freiheit und auf Unversehrtheit. Seine Aktivisten bemängeln auch die Haltungsbedingungen im Zoo. Kritiker sehen das ganz anders: Aus ihrer Sicht gelten Grundrechte nur für Menschen. Ein Pro- und Contra
Sollen auch Menschenaffen das Recht auf Freiheit, Leben und Unversehrtheit haben? Colin Goldner, klinischer Psychologe und Tierrechtsaktivist, ist dafür, Theo Pagel, der Direktor des Kölner Zoos und Präsident des Verbands Deutscher Zoodirektoren, hält es für wichtiger, konkret etwas für die Tiere zu tun (Foto: Kagenmi/Fotolia)
Sollen auch Menschenaffen das Recht auf Freiheit, Leben und Unversehrtheit haben? Colin Goldner, klinischer Psychologe und Tierrechtsaktivist, ist dafür, Theo Pagel, der Direktor des Kölner Zoos und Präsident des Verbands Deutscher Zoodirektoren, hält es für wichtiger, konkret etwas für die Tiere zu tun (Foto: Kagenmi/Fotolia)

Colin Goldner: Ja, denn die Tiere empfinden wie wir

Den Großen Menschenaffen – Orang Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos – müssen bestimmte Grundrechte zuzuerkannt werden, die bisher nur für Menschen galten: das Recht auf Leben, auf Freiheit und auf körperliche wie psychische Unversehrtheit. Es würde somit als strafbares Unrecht gelten, sie zu jagen, gefangen zu nehmen, zu töten oder ihren Lebensraum zu zerstören. Hierzulande lebende Individuen, die nicht in ihre ursprüngliche Heimat zurückverbracht werden können, dürften nicht mehr in medizinischen Experimenten geschädigt oder unter unwürdigen Bedingungen, in Zoos etwa oder in Zirkussen, gehalten werden.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 11/2014 vom 13.06.2014, Seite 8
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Gebt den Kindern das Spiel zurück!
Wie fairer Fußball geht

Wir wissen von den Großen Menschenaffen, dass sie über kognitive, soziale und kommunikative Fähigkeiten verfügen, die sich von denen des Menschen allenfalls graduell unterscheiden; emotional empfinden sie genauso wie wir. Naturwissenschaftlich besehen ist es längst nicht mehr haltbar, überhaupt noch zwischen ihnen und uns zu unterscheiden: Die Erbgutunterschiede sind minimal. Es gibt kein vernünftiges Argument, ihnen – sprich: unserer engsten Verwandtschaft – die geforderten Grundrechte vorzuenthalten.

Das Great Ape Project fordert nicht »Menschenrechte für Menschenaffen«, wie immer behauptet wird. Das wäre eine absurde Forderung, da zu den unveräußerlichen Menschenrechten die Gewissens- und Religionsfreiheit zählt, die für die Großen Affen ebenso irrelevant ist wie die Berufsfreiheit oder das Recht auf Gründung von Gewerkschaften. Die Behauptung, es würden »Menschenrechte« gefordert, geht auf einen Übersetzungsfehler des Goldmann-Verlags zurück, der das Grundlagenbuch des Great Ape Project von Paola Cavalieri und Peter Singer »Equality Beyond Humanity« 1994 auf Deutsch herausbrachte und diesen Fehler in den Titel setzte.

Anzeige

Theo Pagel: Nein, wichtiger ist, etwas für sie zu tun

Eine Debatte über Grundrechte für Menschenaffen zu führen ist gut, weil dies Menschen für die Belange der Tiere und für unseren Umgang mit ihnen sensibilisiert. Doch eine solche Debatte ändert nichts an der problematischen Situation der Tiere im Freiland, wo die Menschenaffen aufgrund der rasanten Zerstörung ihres Lebensraums immer größeren Gefahren ausgesetzt sind und auch dort schon lange nicht mehr wirklich in »Freiheit« leben können. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, werden wir Menschenaffen irgendwann einmal nur noch in Zoos oder anderen gemanagten Lebensräumen finden können.

Außerdem ergibt es keinen Sinn, eine bestimmte Tierart herauszuheben. Zumal Tiere in Deutschland schon heute grundsätzliche Rechte haben, die unter anderem im Tierschutzgesetz verankert sind. Jedes Tier, das sich in menschlicher Obhut befindet, hat den Anspruch auf bestmögliche Haltung – ganz gleich, ob es sich um den Gorilla im Zoo, das Reitpferd im Stall oder das Huhn in der Geflügelzucht handelt. Als Zoodirektor mache ich mir pragmatisch Gedanken um das Wohl unserer Affen und realisiere sie.

Nicht allein die Stellung der Tiere in der Gesellschaft, sondern vor allem unser Wissen über die Tiere sorgt dafür, dass wir die Haltungsbedingungen und den Umgang mit ihnen stetig anpassen und verbessern. Daher geht der Trend schon seit Jahren dahin, dass sich Zoos auf ausgewählte Tierarten spezialisieren, ihre Anlagen erweitern, Tiere vergesellschaften und sie den Besuchern in ihren natürlichen Lebensräumen nahebringen. Nicht das Tier steht im Mittelpunkt, sondern der gesamte Lebensraum. Getreu dem Motto: Handeln statt reden. Denn damit ist den Menschenaffen definitiv am meisten geholfen!

Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.
Yellowshark
18.06.201410:37
Dass Zoodirektoren sich gegen das Great Ape Project aussprechen, verwundert nicht: Haltung von Menschenaffen in Zoos würde verboten sein (insbesondere auch im Kölner Zoo, den T.Pagel leitet). Die Behauptung, Tierschutzgesetze reichten aus, erweist sich gerade anhand des von Pagel angeführten Huhnes in der Geflügelzucht als absurd. Im Übrigen ist der Fokus auf Rechte für große Menschenaffen nur ein "Türöffner": haben sie die geforderten rechte, können sie selbstredend auch anderen kogniotiv hochstehenden Wildtieren (Delfine, Elefanten etc.) nicht mehr vorenthalten werden. Und letztlich allen anderen Tieren auch nicht mehr. Statt immer weiteres Steuergeld in Zooanlagen zu pumpen, sollten die Gelder besser eingesetzt werden zum Schutz der verbliebenen natürlichen Lebensräume der Tiere in Afrika und Asien.