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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2019
Mach mich unsterblich!
Der Plan von der Erschaffung des perfekten Menschen
Der Inhalt:

Der Mann im Käfig

von Peter Rudolph vom 18.12.2019
Aufgefallen: Vor fünf Jahren wurde der Uigure Ilham Tohti in China zu lebenslanger Haft verurteilt. Jetzt bekommt der Menschenrechtler den Sacharow-Preis
Für Versöhnung: der Uigure Ilham Toht (Foto: The New York Times/Redux/Laif)
Für Versöhnung: der Uigure Ilham Toht (Foto: The New York Times/Redux/Laif)

Vor drei Jahren erhielt Ilham Tohti den Martin-Ennals-Preis. Mit dieser Auszeichnung ehren zehn Menschenrechtsorganisationen gemeinsam Personen, die sich »unter Inkaufnahme großer persönlicher Risiken« für die Menschenrechte einsetzen. »Inkaufnahme großer persönlicher Risiken«, das hieß für den uigurischen Wirtschaftsprofessor an der Pekinger Minzu-Universität: permanente Überwachung – im Park mit Richtmikrofonen, im Hörsaal mit Videokameras, durch die Anwesenheit von Polizei in zivil; Einschüchterung (»Du redest zu viel!«); Streichung seines Lehrangebots; Abschaltung seiner Webseite; Verweigerung des Zugangs zum Gymnasium für seine Tochter; Scheidung von seiner ersten Frau, weil sie die Einschüchterungen nicht mehr ertrug; Festnahmen; schließlich Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen angeblichem »Separatismus und der Anstachelung zum Rassenhass«. Tohti selbst nannte sich einen »Mann im Käfig«.

Ilham Tohti wurde 1969 in Artush geboren. Als er dort aufwuchs, wohnten in dem Städtchen nur vereinzelt Nicht-Uiguren. Vor etwa zehn Jahren waren es bereits 20 000 – Han-Chinesen, die neunzig Prozent der Bevölkerung Chinas ausmachen. Artush liegt in der Provinz Xinjiang, in der rund zehn Millionen Uiguren leben, ein Turkvolk mit islamischer Kultur. Es ist das Volk, das zu Hunderttausenden in chinesischen Umerziehungslagern sitzt, wo sie wie in den übelsten Phasen der Kulturrevolution unter Mao einer Gehirnwäsche unterzogen werden.

An der Pekinger Universität erforschte das Parteimitglied Tohti die soziale Lage in Xinjiang. Das Ergebnis: Für die angestammten Uiguren gibt es weniger Arbeitsplätze als für die Han-Chinesen, und sie werden schlechter bezahlt. Durch die Ansiedlung von Han-Chinesen sehen sie sich auc

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