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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Darf man noch Ski fahren?

vom 03.01.2015
Für viele gehört der Skiurlaub zum Winter. Doch infolge des Klimawandels fällt immer weniger Schnee. Zwar sorgen Schneekanonen für befahrbare Pisten. Doch sie verbrauchen viel Wasser und Strom. Flutlicht-Pisten und beheizte Sessellifte erhöhen den Energieverbrauch zusätzlich. Kann man noch guten Gewissens Ski fahren? Unsere Umfrage zum Mitmachen – und das Pro- und Contra unter Ökologen
Darf man noch Ski fahren? Ein Streitthema unter ökologisch denkenden Wintersport-Fans. Sten Smola (links) sagt: "Ja!" Martina von Münchhausen (rechts) sagt: "Nein!" (Fotos: privat)
Darf man noch Ski fahren? Ein Streitthema unter ökologisch denkenden Wintersport-Fans. Sten Smola (links) sagt: "Ja!" Martina von Münchhausen (rechts) sagt: "Nein!" (Fotos: privat)

Sten Smola: »Ja, nachhaltiges Skifahren ist möglich«

»Natürlich dürfen wir Skifahrer und Snowboarder noch unserer Freizeitaktivität in den Bergen nachgehen. Umweltbewusst und nachhaltig Ski zu fahren ist möglich. Wir haben es zu einem guten Teil selbst in der Hand, unseren CO2-Fußabdruck dabei so gering wie möglich zu halten. Das fängt mit der Anreise zum Skiort an. Auf sie entfallen bis zu achtzig Prozent des CO2-Ausstoßes. Am besten ist es, mit dem Zug oder Bus ins Wintersportgebiet zu reisen, am zweitbesten, möglichst viele Menschen in einem Auto mitzunehmen. Das gilt übrigens auch für Wanderurlaube. Weil die Anreise so viel ausmacht: Lieber länger in den Bergen bleiben, als öfter für ein, zwei Tage hinzufahren.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 24/2014 vom 19.12.2014, Seite 8
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Umweltbewusst Ski fahren heißt auch, ein defektes Snowboard zu reparieren, statt es wegzuschmeißen, um ein neues zu kaufen, heißt, seltener neue Ausrüstung zu kaufen und bei Bekleidung auf Öko-Siegel wie etwa das blue sign zu achten. Bei solcher Outdoor- und Funktionsbekleidung wird auf möglichst umwelt- und ressourcenschonende Herstellung geachtet.

Ich als semiprofessioneller Snowboarder verzichte aus Gründen der Nachhaltigkeit schon lange auf Heliboarding und -skiing in Alaska, sondern ziehe es vor, die Berge meiner Schweizer Heimat zu Fuß zu erklimmen, mein Board auf dem Rücken. Stunde um Stunde aufzusteigen gibt mir die Zeit, die Natur wahrzunehmen, und ein ganz neues Gefühl von Freiheit.

Der Klimawandel ist eine Realität und in den Alpen besonders stark zu spüren. Wir Skifahrer und Snowboarder können das Unsre tun, ihn nicht noch anzuheizen – ohne auf Spaß zu verzichten.«

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Martina von Münchhausen: »Nein, es belastet das Ökosystem massiv«

»Der Wintersport ist eine massive Belastung für alpine Ökosysteme. Die Natur trägt längst die Narben der jahrzehntelangen Zersiedelung: Skigebiete mit der nötigen Infrastruktur von Hotels, Parkplätzen, Liftanlagen verbrauchen gigantische Flächen. Für die Pisten werden ganze Bergabschnitte gerodet und planiert, was Lebensräume der heimischen Tiere zerstört. Die Neuerschließung von Skigebieten sollte deshalb tabu sein.

Aber wenn es die Pisten schon gibt? Bleibt dennoch mehr als unsere Fußspur im Schnee zurück. Die Angst des Wintersportlers vor Schneemangel ist nachvollziehbar, die skitouristische Antwort in Form von Schneekanonen überschattet jedoch das »grüne Gewissen«: Bei der künstlichen Beschneiung werden pro Hektar jährlich etwa eine Million Liter Wasser verbraucht, das entspricht etwa dem Verbrauch einer Großstadt wie Hamburg. Das Wasser wird nahen Flüssen oder Speicherseen entnommen mit der Folge, dass der natürliche Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht gerät. Im Zuge des Klimawandels verschärft sich die Lage, immer mehr Skigebiete greifen auf die energiefressende künstliche Beschneiung zurück.

Wirklich umweltfreundliche Ski- und Snowboardferien gibt es also nicht. Aber man kann etwas tun, damit der Winterurlaub nicht zur unlösbaren Gewissensfrage wird: Umweltschonend mit der Bahn anreisen, ein Skigebiet wählen, das auf künstlich präparierte Pisten verzichtet und regenerative Energien nutzt. Während der Abfahrt auf befestigten Pisten oder Loipen bleiben, um keine Wildtiere aufzuschrecken. Damit ist der Fußabdruck der geliebten Winterferien am Berg zumindest reduziert.«

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