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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
Der Inhalt:

Nachgefragt: Arabischer Frühling 2.0?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 02.12.2019
Nordafrika und der Nahe Osten erleben erneut Aufstände. Worum geht es den Demonstranten? Fragen an den Protestforscher Jannis Grimm
Beirut: Protest Anfang November gegen die Regierung im Libanon (Foto: pa/Yaghobzadeh)
Beirut: Protest Anfang November gegen die Regierung im Libanon (Foto: pa/Yaghobzadeh)

Publik-Forum: Vom Libanon über Kuwait bis nach Algerien: überall gehen Männer und Frauen auf die Straßen. Geht der Arabische Frühling in die zweite Runde?

Jannis Grimm: Die Frage ist, ob es ein Arabischer Frühling 2.0 ist oder eher die Fortsetzung dessen, was 2011 begann und nie wirklich endete. Interessanterweise begehren jetzt vor allem jene auf, in deren Heimat es 2011 relativ ruhig war: Sudan, Algerien, Libanon, Irak. Diese Länder waren in der ersten Runde nicht betroffen. Weil sie in jüngster Vergangenheit Bürgerkriege oder bewaffnete Auseinandersetzungen erlebt hatten, war die Bevölkerung konfliktscheu. Das ändert sich gerade. Den Menschen dient Ägypten als Negativbeispiel, was aus einer Revolution werden kann, aber es gibt auch ein Positivbeispiel: Tunesien.

Gibt es Parallelen zu den Aufständen 2011?

Grimm: Ja, die Slogans sind teilweise die gleichen, zum Beispiel der Ruf nach »Brot, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit«. Jetzt liegt der Schwerpunkt auf sozialer Gerechtigkeit und einem Ende der Korruption.

Was ist anders als vor acht Jahren?

Grimm: Die Menschen haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Ob Libanesen oder Algerierinnen: Die Protestierenden haben einen langen Atem, sie lassen sich nicht mehr abspeisen mit der Absetzung eines Präsidenten. Sie wissen: Das ist erst der Anfang. Die Strahlkraft von Demokratie an sich hat aber abgenommen. Demokratie wird jetzt von vielen wahrgenommen als Mittel zum Zweck, um soziale Gerechtigkeit und Teilhabe zu erreichen.

Sind die Demonstranten denn über Ländergrenzen hinw

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