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Filmtipp: Wir glauben euch
Im Räderwerk der Justiz

Auf gar keinen Fall darf der Vater das Sorgerecht für die Kinder bekommen, doch alles steuert im Film »Wir glauben euch« darauf hin. Gibt es einen Ausweg?
von Birgit Roschy vom 11.05.2026
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(Foto: © Jour2Fête)
(Foto: © Jour2Fête)

Kino. Recht und Gerechtigkeit sind nicht dasselbe – eine Binsenweisheit, die in diesem belgischen Justizdrama so packend veranschaulicht wird, dass man kaum wegsehen kann. Dabei ist der Film ganz puristisch inszeniert. Im Zentrum steht eine Anhörung vor dem Familiengericht in einem gläsern-kühlen Raum eines Verwaltungsgebäudes; in Echtzeit und mit echten Anwälten gedreht.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 9/2026 vom 15.05.2026, Seite 54
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Vordergründig scheint es um einen jener Allerweltsfälle zu gehen, in denen geschiedene Eltern ihre private Fehde fortsetzen. Ein Vater ficht das alleinige Sorgerecht der Mutter für die beiden gemeinsamen Kinder an. Vor der Familienrichterin plädieren nacheinander die Eltern und ihre Anwälte. Zusätzlich befragt ein Pflichtanwalt die Kinder und gibt seine Einschätzung ab.

Doch Mutter Alice steht trotz guten Zuredens ihrer Anwältin am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Mühsam ihre Panik zurückhaltend, erklärt sie, warum ihre Kinder auf gar keinen Fall Kontakt zu ihrem Vater wollen. Was Alice sagt, soll hier nicht verraten werden – ihre verstörende Aussage jedoch wird von der gegnerischen Partei auf obszöne Weise verdreht.

Wüssten wir, die Zuschauer, nicht, was vor der Verhandlung geschah, würden wir diese hysterisch wirkende Frau vielleicht für eine manipulative Lügnerin halten. So aber verleiht der Abgrund zwischen dem abstrakten und emotionslosen Sprechen über schreckliche Dinge und der gelebten Realität außerhalb des Gerichts diesem halbdokumentarischen Drama seine eigentliche Wucht. Und wenn die Obrigkeit den Kindern versichert: »Wir glauben euch«, und zugleich Wahrheit und Kindeswohl im Räderwerk der Justiz zermalmt zu werden drohen, entlarvt sich die bittere Ironie des Filmtitels.

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