Das inszenierte Ich
»So frage ich dich, Janine, willst du Philipp annehmen, so wie er ist? Willst du ihn lieben und ihm Vertrauen schenken? Dann antworte bitte mit Ja, ich will.« Es sind vertraute Worte, die Simone Pfundstein zu dem jungen Paar spricht, das sich nach ihrer Aufforderung das Ja-Wort gibt. Nur dass Pfundstein keine Pfarrerin ist und die Trauung von Janine und Philipp nicht in einer Kirche stattfindet, sondern in einem alten Gemäuer in der Hanauer Altstadt. Die Stuhlreihen sind mit weißen Satinbändern geschmückt, und der Tisch im vorderen Teil des Raumes ist mit Blumen und Kerzen dekoriert. »Ich bin keine Theologin«, betont Pfundstein, »aber ich kann trotzdem frohe Botschaften verkünden.« Sie ist Zeremoniarin und veranstaltet freie Trauungen. Immer mehr Paare wünschen sich eine feierliche Zeremonie, die Braut will ein weißes Kleid tragen – aber nicht in der Kirche. Für Pfundstein ist die Sache klar: »Viele haben mit der Kirche nichts am Hut, gehen nicht einmal Weihnachten dorthin – warum sollten sie dann da heiraten?«
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