advent
Im Unterschied zum bürgerlichen Jahr beginnt das Kirchenjahr mit dem ersten Advent. Das Kirchenjahr gliedert die Zeit in Rhythmen der Erinnerung an die Geschichte Jesu: den Weihnachtsfestkreis, der mit dem Advent beginnt, den Oster- und den Pfingstfestkreis. Mit dem ersten Advent beginnt eine Art Hinreise zum Weihnachtsfest. In den alten Liturgien wurde die Zeit vor Christi Geburt nachgespielt. Die Sehnsuchtstexte des Propheten Jesaja wurden gelesen. Diese Sehnsucht finden wir in den alten Adventsliedern. »O Heiland, reiß die Himmel auf!«, singen wir. Ein anderes Lied verspricht: »Es kommt ein Schiff geladen.« In den alten großen Antiphonen wird die Ankunft Christi herbeigebetet. Es heißt da: »O Weisheit, komm! O Wurzel Davids, komm! O Schlüssel Davids, komm!« In langsamer Zeitreise fahren die Christen auf Weihnachten zu, bis es dann am Vortag von Weihnachten heißt: »Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt, und morgen werdet ihr seine Herrlichkeit sehen.« Noch ist nicht aller Tage Morgen. Noch ist das Schiff nicht angekommen. Die Zeit der Sehnsucht war die Zeit der Vorbereitung. In alten Zeiten war der Advent eine kleine Fastenzeit. Man hat keine Tanzveranstaltungen besucht, man hat keine Feste gefeiert. Man hat gefastet, weil der Bräutigam, mit dem das große Fest gefeiert werden soll, noch nicht angekommen war.
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Fulbert Steffenksy ist pensionierter Professor für Religionspädagogik an der Universität Hamburg und Schriftsteller. Er lebt in der Schweiz.

