Unterm Brennglas …
Hunger als Waffe
Ist es nicht irrsinnig, dass in der Ukraine Millionen Tonnen Getreide nicht abtransportiert werden können, während die Menschen in Afrika dringend Weizen brauchen? Das ist die Lage nach der Aufkündigung des Schwarzmeer-Getreideabkommens durch Russland. Neben all dem Leid und der Zerstörung, die der Ukrainekrieg über das Land und seine Menschen gebracht hat, droht dadurch also auch noch eine Hungersnot in den ärmsten Ländern Afrikas und Asiens. So wird es uns seit Mitte Juli unisono von Politik und Leitmedien erklärt. Weil keine Getreidefrachter mehr aus der Ukraine sicher über das Schwarze Meer fahren können, steigen die Weizenpreise auf dem Weltmarkt und stürzen so Millionen Menschen in Not. Auf den Punkt gebracht: Hunger als Waffe. Und in der Tat: Es ist Irrsinn – durch Krieg auf die Spitze getrieben. Nur sollten wir uns vor dem Umkehrschluss hüten, dass die Ärmsten in Afrika ohne den Ukrainekrieg und die russische Blockade der ukrainischen Getreideexporte genug zu essen hätten. Nach den jüngsten Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind heute zwar 122 Millionen Menschen mehr von Hunger betroffen als 2019. Insgesamt hatten im vergangenen Jahr aber sage und schreibe 783 Millionen Menschen nicht genug zu essen – also Hunderte Millionen, so wie jedes Jahr! Das ist sozusagen die »Normalität« in Sachen Welternährung, von deren Irrsinn allerdings kaum die Rede ist. Und das hat eine Vielzahl von Gründen.
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Werner Eiermann studierte Volkswirtschaft und arbeitete bis zu seinem Renteneintritt als Hörfunk- und Fernsehjournalist beim Bayerischen Rundfunk und bei Radio Bremen. Zuletzt war er Leiter der Onlineabteilung bei Radio Bremen.

