Zieh die Schuhe aus!


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Manchmal beginnt das Heilige damit, dass man etwas loslässt. Nicht dass man etwas tut, etwas sagt, etwas opfert, sondern dass man innehält. Die Schwelle zum Heiligen ist dann kein Ort der Tat, sondern der Entblößung, der Echtheit, der Berührung. Kein Schrein, sondern ein Spalt in der Welt, durch den etwas anderes hereinleuchtet. Vielleicht ist deshalb das Erste, was man an vielen heiligen Orten tut: die Schuhe ausziehen. Bevor man eintritt, lässt man das hinter sich, was einen bisher getragen hat – im wörtlichen Sinn. Man stellt ab, was einen über den Asphalt des Alltags trug. Die Sohlen bleiben zurück. Die Füße werden spürbar.
Das Gebet im Islam ist keine bloß rationale Handlung, kein kognitiver Vollzug. Es ist leiblich, ganzheitlich, umgreifend. Der ganze Mensch richtet sich auf Gott aus – mit
Ahmad Milad Karimi, geboren in Afghanistan, aufgewachsen in Darmstadt, ist ein deutscher Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler. Er ist Professor für Islamische Philosophie und stellvertretender geschäftsführender Direktor des Zentrums für Islamische Theologie Münster.
